Aus: Alzheimer Info 1/07

Tanzen ist eine Form der körperlichen Aktivität, die vielen Menschen Freude macht. Die Verbindung von fröhlicher Musik und ungezwungenen rhythmischen Bewegungen erzeugt gute Laune und körperliches Wohlbefinden. Dies gilt auch für Menschen mit Demenz, die im Tanz oft längst verloren geglaubte Fähigkeiten wieder aktivieren können. Deshalb bieten immer mehr Alzheimer Gesellschaften Tanzcafés für Demenzkranke und ihre Angehörigen an. Drei Beispiele dafür und einen Bericht über Sitztanz in einem Heim folgen:

Tanzcafé in Braunschweig

Die vierteljährlichen Tanzcafés werden mit Live-Musik von einer tollen Ein-Mann-Kapelle gestaltet. Unser Musiker kann auf jede Stimmung reagieren, jede Jahreszeit einbeziehen und jeden Musikwunsch erfüllen. Wir singen und tanzen alles - vom "Schneewalzer" und den "Caprifischern" bis zum "Holzmichel". Abschluss der Tanzcafés ist immer eine Polonaise durch alle Räume. Wer nicht (mehr) tanzen kann oder möchte, beteiligt sich mit Schunkeln, Wedeln der Arme und Singen. Ehrenamtliche Mitarbeiterinnen der Braunschweiger Nachbarschaftshilfen sorgen für Kaffee und Kuchen, stehen als Tanzpartnerinnen zur Verfügung und entlasten die Angehörigen. Durch eine großzügige Spende der VW-Belegschaft aus Braunschweig können wir auch in diesem Jahr unsere Tanzcafés fortführen. Darüber freuen sich alle Beteiligten, denn diese Stunden des gemeinsamen Singens und Tanzens sind unvergessene Momente der Nähe und Freude. Unbedingt ausprobieren!

Marianne Golmann
Alzheimer Gesellschaft Braunschweig

 

Mit Schwung durchs Jahr im Tanzcafé Ingolstadt

Unsere monatlichen Tanz-Nachmittage finden in einer gemütlichen, familiären Atmosphäre statt. Die Tische werden je nach Jahreszeit mit Blumen dekoriert, die Servietten zu kleinen Kunstobjekten gefaltet und die selbstgebackenen Kuchen von Angehörigen und ehrenamtlichen Helferinnen festlich angerichtet. Die Besucher des Tanzcafés sind in den zwei Jahren seit Beginn wie eine große Familie zusammen gewachsen, man kennt sich untereinander und trägt auch mal mit Anekdoten zum Rahmenprogramm bei. Für die aktuellen Geburtstagskinder wird immer ein Ständchen gesungen, die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer dürfen regelmäßig an Spielen wie "Eine Reise nach Jerusalem" teilnehmen und der Musikant "d'Paule" liest den Damen die Liederwünsche von den Augen ab. Zusätzlich baut das Organisationsteam zur Halbzeit jedes Tanzcafés eine Attraktion ein. Beispielsweise wird im Februar eine Kinderfaschingsgarde auftreten. Die Faschingskrapfen dürfen dabei natürlich nicht fehlen!

Johanna Koch
Alzheimer Gesellschaft Ingolstadt

 

Tanzcafé "Vergissmeinnicht" in Pirmasens

Wenn die Live-Musik beginnt, sind die demenzkranken Teilnehmer ohne Ausnahme mit Herz und Seele bei der Sache. Da wird zu den Melodien alter Wanderlieder oder Schlager gesungen, getanzt und geschunkelt. Die schönen alten Melodien werden mitgesungen bis zur letzten Strophe. Der Rhythmus der Musik schafft Bewegung, wo man sie schon lange erloschen glaubte. Die muntere, glückliche Stimmung überträgt sich auf alle, auch auf die Angehörigen und die vielen ehrenamtlichen Helfer. Diese zwei Stunden im Tanzcafé "Vergissmeinnicht" werden von den pflegenden Angehörigen und den Alzheimer-Kranken als hilfreich und positiv empfunden. Diese Erfahrung gibt uns trotz des großen Aufwandes den Mut, weiter zu machen. Dank einiger Sponsoren stehen die notwendigen finanziellen Mittel zur Fortführung des Projektes auch für dieses Jahr bereit.

Edith Schmitt
Alzheimer Gesellschaft Rheinland-Pfalz e. V., SHG Pirmasens

 

Tanzen im Sitzen für Menschen mit Demenz

Alle vierzehn Tage lade ich die Bewohner/innen des Laubacher Stiftes zu einer fröhlichen Stunde "Tanzen im Sitzen" ein. Neben Volksliedern und alten Schlagern haben gerade Walzer immer eine anregende Wirkung. Beim Schwingen mit Tüchern, Bändern oder Papierblumen, beim Schunkeln oder bei unterschiedlichen Bewegungen mit Seilen und Zopfschnüren hat jeder die Möglichkeit, gemäß seinen Fähigkeiten mit zu machen. Neben Bewegungsübungen beinhaltet unser Konzept eine ganzheitliche Ansprache der Teilnehmer/innen. Jede Stunde steht unter einem Thema wie Märchen, Schule, Jahreszeiten oder Kalender. Außerdem bereite ich entsprechende Lieder und Texte sowie angemessene Gedächtnisübungen vor. Die Tänze im Sitzen werden so ausgesucht, dass sie möglichst alle Teilnehmer/innen einbeziehen. Eine zentrale Stellung dabei kommt den Thementänzen zu, beispielsweise Ruderpartie, Hertas Spaziergang, Gewitter oder Blättertanz im Herbst. Dabei wird auf Bewegungen gezielt, an die Erinnerungen geknüpft sind, wie Wolle wickeln, ein Seil heranziehen, in ein Boot steigen, Musikinstrumente spielen usw. Es geht fröhlich zu und gut gestimmt gehen die Teilnehmer/innen nach Hause.

Heide Quandt
Referentin im Bundesverband Seniorentanz e. V. (BVST)