Aus: Alzheimer Info 3/19

Jürgen Meyer schildert am Alzheimer-Telefon: „Meine 77-jährige Mutter hat Alzheimer und lebt noch alleine in ihrer Wohnung. In letzter Zeit kommt es häufig vor, dass sie mich 20 bis 30 Mal am Tag anruft, oft auch im Büro. Heute hat sie sogar mitten in der Nacht angerufen und gefragt, wann ich denn käme. Ich weiß nicht, wie ich mich verhalten soll. Können Sie mir einen Rat geben?“

„Häufige Anrufe – dieses Problem schildern uns viele Angehörige. Ihre Mutter kann sich einfach nicht mehr merken, dass Sie schon mehrmals telefoniert haben. Und so passiert es, dass sie erneut zum Hörer greift, um ihr Anliegen mit Ihnen zu besprechen. Wenn die Anrufe ein gewisses Maß überschreiten, kann dies sehr belastend sein. Was also tun? Rituale und Routinen helfen demenzerkrankten Menschen, besser im Alltag zurechtzukommen. Überlegen Sie, wie eine Telefon-Routine mit Ihrer Mutter aussehen könnte. Was wäre für Sie ein stimmiges Maß an täglichen Telefonaten mit Ihrer Mutter? Hat sie frühere Gewohnheiten, beispielsweise das Telefonat nach dem Abendessen? Vielleicht gibt es eine bestimmte Fernsehserie, die Ihre Mutter immer schaut. Dann könnten Sie daran anknüpfen und sagen: Wir telefonieren immer nach deiner Lieblingssendung „Sturm der Liebe“. Dann gilt es, diese Routine einzuüben. Hängen Sie dazu Merkzettel in der Wohnung Ihrer Mutter auf: Telefonieren mit Jürgen immer nach dem Abendessen! Oder: Telefonieren mit Jürgen nach „Sturm der Liebe!“

Wenn Ihre Mutter Sie während der Arbeitszeit anruft, antworten Sie kurz und knapp: „Ich bin bei der Arbeit. Ich kann jetzt nicht. Ich rufe dich zurück.“ Dann legen Sie gleich auf, ohne Diskussionen oder ausführliche Erklärungen. Es ist in Ordnung, auch mal nicht ans Telefon zu gehen.

Natürlich ist da die Sorge, es könnte sich doch um einen echten Notfall halten. Da wäre es hilfreich, wenn Nachbarn informiert sind, die Sie bei echter Dringlichkeit kontaktieren.

Es kann auch aufschlussreich sein zu überlegen, wofür die häufigen Anrufe Ihrer Mutter stehen. Ist es Einsamkeit oder sind es Ängste oder auch einfach Langeweile? Dann könnten Sie versuchen, in dieser Richtung etwas für Ihre Mutter in die Wege zu leiten, zum Beispiel einen Besuchsdienst zu engagieren: Eine Person, die regelmäßig kommt, sich mit Ihrer Mutter beschäftigt und so für Abwechslung in ihrem Alltag sorgt.“

Laura Mey
Alzheimer-Telefon