Aus: Alzheimer Info 2/19

Frau Becker wendet sich das zweite Mal an das Alzheimer-Telefon: „Meine Mutter ruft mich seit einiger Zeit kaum noch an. Wir haben sonst täglich telefoniert – meist rief sie mich an. Wenn ich meine Mutter jetzt anrufe, dann ist sie oft sehr kurz angebunden. Das bereitet mir Sorgen. Ich kann meine Mutter nicht so häufig besuchen, da ich noch berufstätig bin und nicht in ihrer Nähe wohne. Wie kann ich wissen, wie es meiner Mutter geht?“

„Kommunikationsschwierigkeiten nehmen im Verlauf einer Demenz zu. Betroffene können sich weniger konzentrieren, sie verlieren den Gesprächsfaden, ebenso können sich Wortfindungsstörungen und Verständnisschwierigkeiten einstellen. Auch die Bedienung eines Telefons wird zunehmend problematisch.

Die Verständigung am Telefon wird für Betroffene mit zunehmender Demenz zu einer Herausforderung und schließlich sind sie damit überfordert. Daher werden die Telefonate seltener und einsilbiger. Was tun?

Eine gute Lösung kann es sein, jetzt selbst mehr den aktiven Part zu übernehmen und die Mutter anzurufen. Die Telefonate können so weiter aufrechterhalten bleiben. So lange wie Ihre Mutter mit der telefonischen Verständigung und der Bedienung des Telefons zurechtkommt, bedeuten eben auch kurze Telefonate Kontakt und können beiden Seiten eine gewisse Sicherheit geben.

Manchmal hilft es, ein aktuelles Telefongerät gegen ein altes auszutauschen, weil das Wissen um seine Bedienung aus dem Langzeitgedächtnis erinnert wird. Auch Briefe oder Postkarten können eine Möglichkeit sein, in Kontakt zu bleiben.

Entlastend kann es sein, andere zu gewinnen, die Ihre Mutter besuchen können (Nachbarn, Pflegedienst, ehrenamtliche Hilfen), damit sie mehr Geselligkeit und Unterstützung hat. Über diese Person hätten Sie zusätzlichen Kontakt zu Ihrer Mutter. Die Möglichkeiten, miteinander zu reden und im Kontakt zu sein, verändern sich mit der Krankheit. Vielleicht lässt es sich doch einrichten, dass Sie Ihre Mutter häufiger besuchen, auch wenn die Besuche aus Zeitgründen kürzer sein müssen.

Früher oder später muss man leider akzeptieren, dass sich Fähigkeiten verändern und auch manche liebgewonnenen Gewohnheiten nicht mehr miteinander gepflegt werden können. Sich an die Veränderungen immer wieder anzupassen, ist sicherlich nicht leicht, aber meist lassen sich immer wieder neue Wege finden, um trotzdem in Kontakt zu sein.

Mein Tipp: Austausch und Kontakt sind nicht nur auf der verbalen Ebene möglich! Denken Sie an all unsere anderen menschlichen Sinne, durch die wir mit anderen in Kontakt treten. Gemeinsam Lieblingsmusik hören, altbekannte Filme oder Fernsehserien ansehen, Körperkontakt, gemeinsam kochen, miteinander tanzen – all das verbindet ebenfalls.“

Ellen Nickel
Alzheimer-Telefon