Aus: Alzheimer Info 3/18

Wer rastet, der rostet. Dies gilt auch und vielleicht ganz besonders für Menschen mit einer Demenzerkrankung. Deshalb sind spezielle angepasste Trainingsprogramme, die körperliche und geistige Fähigkeiten fördern, auch bei Demenz eine Form der Prävention.Drei Beispiele für solche Trainingsprogramme stellen wir Ihnen hier vor.

AlltagsTrainingsProgramm (ATP) für Menschen ab 60

Das AlltagsTrainingsProgramm (ATP) richtet sich nicht speziell an Demenzerkrankte. Es zeigt aber gute Möglichkeiten wie Angehörige etwas für ihre eigene Gesundheit tun und gleichzeitig die Erkrankten mit einbeziehen können.

Das Kursprogramm vermittelt über einen Zeitraum von zwölf Wochen, wie man nachhaltig mehr Bewegung in den eigenen Alltag bringen und damit Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit und Koordination trainieren kann. Spezielle Trainingsgeräte oder Sportkleidung braucht es dafür nicht. Denn zum Trainieren werden Alltagsgegenstände wie Trinkflaschen, Stühle oder ein Baum im Park verwendet. Jede der zwölf Kursstunden behandelt dabei ein spezielles Thema mit Bezug zum Alltag.

Auf der zugehörigen Internetseite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung findet man ein bundesweites Verzeichnis der kostenlosen ATP-Kurse.

Nähere Informationen: www.aelter-werden-in-balance.de

MAKS-Therapie: Aktivierung in vier Dimensionen

MAKS bedeutet: Motorische, Alltagspraktische und Kognitive Aktivierung, die auch Soziale bzw. spirituelle Bedürfnisse anspricht.

Bei der MAKS-Therapie werden Aktivitäten aus diesen vier Bereichen systematisch miteinander kombiniert und über einen längeren Zeitraum intensiv und regelmäßig durchgeführt. Da es viele verschiedene Übungen gibt, die außerdem in der Gruppe durchgeführt werden, kommt keine Langeweile auf. Kognitive Aufgaben sind beispielsweise Papier und Bleistift-Übungen, wie Wörter im Buchstabenmix erkennen oder Bilderpuzzle, die gemeinsam in der Gruppe gelöst werden. Alltagspraktische Fähigkeiten werden zum Beispiel durch Arbeiten mit Holz gefördert oder beim Zubereiten kleiner Mahlzeiten. Psychomotorische Übungen wie Tanzen, Kegeln oder Tischkickern verbinden psychisches Erleben mit motorischen Anforderungen. Möglichkeiten der spirituellen Einstimmung sind das gemeinsame Singen eines Liedes oder der Austausch von Erfahrungen zu einem persönlich bedeutsamen Thema. Das Besondere an MAKS sind nicht die einzelnen Aktivitäten, die möglicherweise auch andernorts durchgeführt werden, sondern die gezielte Kombination und die Regelmäßigkeit (mindestens zwei Stunden täglich an fünf Tagen pro Woche).

Die MAKS-Therapie ist speziell auf die Bedürfnisse von Menschen mit leichter bis mittelgradiger Demenz ausgerichtet. Ihre Wirksamkeit wurde bereits mit wissenschaftlichen Methoden bei Teilnehmenden in fünf Pflegeheimen über einen Zeitraum von einem Jahr untersucht. Im Ergebnis lässt sich sagen, dass sich dadurch Gedächtnis- und Denkfähigkeit über einen längeren Zeitraum stabilisieren lassen und sich Stimmung und Verhalten sogar verbessern.

Nähere Informationen zum Projekt und das zugehörige Handbuch unter: www.maks-aktiv.de

MobiAssist, ein Mobilisierungs-Assistent für demenziell Erkrankte und deren Angehörige

Beim Forschungsprojekt MobiAssist steht eine Art Spielkonsole im Mittelpunkt. Die Konsole wird an den Fernseher angeschlossen und bietet verschiedene neu entwickelte Spiele an. Die Spiele regen zur Bewegung an und trainieren jeweils unterschiedliche Fähigkeiten. Bei einem Teil der Spiele geht es um eine Verbesserung der Reaktionsfähigkeit und Sturzprävention, andere fördern Balance und Koordination, wieder andere regen gezielt die geistige Leistungsfähigkeit und Kreativität an. Momentan wird das Programm in der Praxis getestet. Mehr als 50 Menschen mit einer beginnenden Demenz trainieren noch bis Ende Oktober 2018 mit MobiAssist bei sich zu Hause oder in einer Tagespflegeeinrichtung. Wenn diese Phase abgeschlossen ist, wird untersucht, inwieweit durch das Programm die körperlichen und geistigen Fähigkeiten der Teilnehmenden verbessert oder stabilisiert werden konnten – aber auch, inwieweit die Angehörigen durch das Angebot eine Entlastung erfahren haben. Wenn die Ergebnisse positiv ausfallen, wollen die beteiligten Forschungseinrichtungen (Universität Siegen, Charité Berlin und die Deutsche Sporthochschule Köln) eine weitere Studie mit einem größeren Teilnehmerkreis aufsetzen, um die Wirksamkeit des Trainings gegenüber möglichen Kostenträgern noch besser belegen zu können. 

Nähere Informationen:
David Unbehaun
E-Mail: david.unbehaun[at]uni-siegen.de
Tel: 0271 – 740 34 32
www.mobiassist.info

Susanna Saxl
DAlzG