Aus: Alzheimer Info 2/2012

 

 

Unterstützung durch intelligente Technik

Ambient Assisted Living

Technische Systeme unterstützen uns selbstverständlich in unserem Alltag, wir merken es kaum. In Küche, Bade- und Wohnzimmer stehen Geräte, die entlasten, Komfort bringen oder der Unterhaltung dienen. Die Vorstellung, für Menschen mit einem erhöhten Unterstützungsbedarf technische Assistenzsysteme zu entwickeln, basiert auf guten Erfahrungen in vielen Lebensbereichen. Konzepte einer „intelligenten“, beschützenden Umgebung, die unterstützungsbedürftigen Menschen ein Leben mit einem Höchstmaß an Selbstständigkeit erlauben und Angehörige, Freunde, Nachbarn und Pflegekräfte entlasten, werden international als „Ambient Assisted Living“ (AAL) bezeichnet.

Das beginnt mit der richtigen Auswahl von Alltagsgeräten. So stellt die Nutzung eines Bügeleisens keine Gefahr dar, wenn sichergestellt ist, dass sich dieses automatisch abschaltet, wenn es vergessen wird oder umkippt. (Kostengünstige Geräte mit Sicherheitsabschaltung werden von verschiedenen Herstellern angeboten.)

Andere Geräte lassen sich nachrüsten, sodass sie sicher nutzbar sind. Der Herd kann durch einen Zusatz erkennen und zunächst warnen, falls eine Herdplatte eingeschaltet bleibt. Bleibt eine Alarmmeldung unbeachtet, erfolgt die automatische Abschaltung (1). Inzwischen sind auch Geräte verfügbar, die beispielsweise im Fall einer brennenden Pfanne selbstständig löschen können (2). AAL-Systeme können eigenständig feststellen, wenn eine Person in eine Notfallsituation gerät oder sich der Gesundheitszustand verschlechtert. Sie „kennen“ Gewohnheiten, „merken“, dass ein Sturz erfolgt ist, jemand offensichtlich das Bett gar nicht mehr verlässt oder nachts ins Bad geht, dann aber nichts ins Bett zurückkehrt (3). Traditionelle Hausnotrufsysteme können um Komponenten ergänzt werden, die eine in Not geratene Person auch dann bemerken, wenn diese sich nicht aktiv meldet (4). Bewegungsmelder, Türkontakte (Weglaufschutz), Matten oder Fußböden, die Stürze erkennen (5), selbst die Nutzung von Strom, Gas und Wasser geben hierfür Hinweise. Rauch-, Gas- und Wassermelder können die Ausstattung ergänzen. Wesentlich ist, dass alle Alarme eine Meldekette in Gang setzen, die Hilfe organisiert.

Es gibt zahlreiche Produkte, die erkennen und melden, wenn desorientierte Personen die Wohnung oder einen als sicher gekennzeichneten Bezirk verlassen. In der Wohnung sorgen hierfür Sensormatten, Bewegungsmelder und Türkontakte. Im Außenbereich kommen Notfallhandys oder GPS-Sender und eine Software, in welcher ein Quartier markiert ist, zum Einsatz (6).

Gute Beleuchtung ist eine wesentliche Komponente einer Umgebung, die an Demenz Erkrankte unterstützt. Sehen und Erkennen, Orientierung sowie der Erhalt des Tag- und Nachtrhythmus sind davon abhängig.

Birgid Eberhardt
Gerontologin (FH), Gesundheitsökonomin (ebs), Medizininformatikerin

Bezugsadressen:

(1)   z.B. „Hertha“ von Scanvest (www.herdueberwachung.de)

(2)   Safera (www.safera.fi, Vertrieb in Deutschland über www.locatesolution.de)

(3)   z.B. Loc.Sens (www.locatesolution.de), sophia (http://www.sophia-tv.de)

(4)   Viele Hausnotrufsysteme z.B. von Bosch, tunstall, CareTech, NEAT

(5)   Sensormatte/-boden siehe z.B. FutureShape (www.future-shape.com)

(6)   Viele Anbieter, u.a. iDobber (www.idobber.com), GPS2ALL (www.gps2all.de), Bosch