Aus: Alzheimer Info 2/11

Diese Frage stellt eine Teilnehmerin des Blogs der Deutschen Alzheimer Gesellschaft im Internet. Sabine Schulz, die Vorsitzende der Alzheimer Gesellschaft Mannheim, besucht regelmäßig Alten- und Pflegeheime in ihrem Umkreis. Im Folgenden gibt sie Eindrücke aus vier Heimen wieder.

Heim A

Hier erlebe ich zwei Gruppen: Die eine Gruppe ist mit Memory-Karten für Demenzkranke beschäftigt, in der anderen wird Gemüse für das Mittagessen geputzt. Auf dem Sofa sitzen zwei ältere Frauen. Die eine wiegt ihre Stoffpuppe Peter im Arm, die andere ist mit der Handtasche beschäftigt. Um einen runden Tisch herum sitzen zwei Bewohner. Sie legen Strümpfe zusammen. Das Personal hilft, ermuntert, leitet an und lobt die erledigte Arbeit.

In den Zimmern der Bewohner sind Photos von Angehörigen aufgestellt und andere private Gegenstände; auch der Trinkbecher und Möbel wurden von zu Hause mitgebracht. Getränke, Gläser und Obst sind bereitgestellt. In der Nasszelle gibt es keine unangenehmen Gerüche. Bei Inkontinenz wird schnell dafür gesorgt, dass Wäsche oder Windeln gewechselt werden.

Heim B

Hier sind die Aufenthaltsräume extrem eng. Ein langer, schmaler Flur mit abgenutzter Raufasertapete und abgelaufenem Fußboden lädt nicht zum Verweilen ein. Der Flur mündet in einen zu kleinen Aufenthaltsaum. Hier wird an Tischen mit Kunststoffplatten gegessen, die am Rand teilweise ein- oder abgerissen sind. Bei der Nahrungsaufnahme fehlt Personal. Wer nicht alleine essen oder trinken kann, muss vielfach auf Kaffee und Kuchen verzichten. Bei den Mahlzeiten kommt es immer wieder zu heftigem Streit. Der Grad der Erkrankung des Tischnachbarn wird nicht berücksichtigt. Die weniger Erkrankten fühlen sich durch die stärker Erkrankten gestört. In den Zimmern befinden sich keine persönlichen Gegenstände, auch keine eigenen Möbel. Nichts erinnert an die Familie. Die Schränke sind verschlossen und können nur vom Personal geöffnet werden. Die Nasszellen, jeweils für vier Personen, sind von zwei Doppelzimmern aus zu begehen. Die Mehrzahl der Demenzkranken kann die Türen von innen in der Regel nicht abschließen.

Auf dem langen Flur gibt es nur ein Sofa und einen alten Schrank. Es ist kein Beschäftigungsmaterial vorhanden.

Heim C

Hier ist das Personal besonders freundlich, geduldig und hilfsbereit. Einen Bewohner, der immer wieder nach einer Schwester ruft, lässt man nicht lange warten. Bei den Mahlzeiten ist genügend Personal vorhanden, das beim Essen und Trinken hilft. In den hellen Aufenthaltsräumen stehen Gläser und Getränke auf den Tischen. Es wird sorgfältig darauf geachtet, dass die Bewohner genügend Flüssigkeit zu sich nehmen. Im Wintergarten wird gesungen. Ein Bewohner unterstützt den Gesang mit Klängen seines Akkordeons. Die Gruppe ist begeistert, alle klatschen. Therapie- und Beschäftigungsangebote sind vielseitig. Für jeden Grad der Demenzerkrankung gibt es Angebote. Die Bedürfnisse und Wünsche der Demenzkranken werden besonders berücksichtigt. Auf einer mit Grünpflanzen und Heilkräutern bepflanzten Terrasse wird Kaffee getrunken. Auch die im Rollstuhl sitzenden Bewohner sind dabei.

Die Zimmer sind hell. Zu jeweils zwei Zimmern gehört ein mit Sommermöbeln ausgestatteter Balkon. Es ist ausreichend Platz, um in den Zimmern persönliche Gegenstände unterzubringen.

Heim D

Hier sind die Zimmer besonders liebevoll hergerichtet. In vielen Zimmern stehen Möbel von zu Hause. Auf den Fluren gibt es gemütliche Sitzgelegenheiten, überall stehen Getränke und Gläser bereit. Das Mittagessen wird in unmittelbarer Nähe der Küche eingenommen. In der Küche wird dermaßen laut gearbeitet und gerufen, dass sich einzelne Bewohner empört abwenden, andere erschrecken.

Zum Kaffeetrinken und zum Abendessen sitzt eine Gruppe dementer Bewohner immer alleine vor ihren Tellern. Niemand kümmert sich darum, ob bzw. wie viel gegessen und getrunken wird. Die Teller werden nach bestimmter Zeit abgeräumt. Ein Teil des Personals beschimpft die Bewohner, weil ihnen diese „auf die Nerven gehen“ oder zu laut sind.

In den Nasszellen sowohl der Doppel-, als auch der Einzelzimmer gibt es keine Kennzeichnungen für Handtücher und Waschlappen. Die Spiegelablage ist für persönliche Utensilien (Zahnpasta, Haarwaschmittel, Rasierklingen) zu klein. Es gibt keine Ablagefächer an anderer Stelle. Schmutzige, feuchte Wäsche wird in Plastiktüten im Wäscheschrank gelagert. Ein Bewohner, der sich beklagt, dass mittags noch kein Bett gemacht ist, wird empört auf einen Sterbefall aufmerksam gemacht.

Fazit

Für diese vier Heime gilt: Sie haben alle den annähernd gleichen Pflegesatz. An den finanziellen Bedingungen kann es offenbar nicht (immer) liegen, wenn die „Würde im Alter“ so unterschiedlich erlebt wird. Eine Besserung wird nur dann eintreten, wenn Missstände offen angesprochen werden – auch von betreuenden Angehörigen – und in den Heimen die Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit solcher Kritik wächst. Wir von der Alzheimer-Gesellschaft bemühen uns im Gespräch mit den Heimen Verbesserungen zu erreichen.

Sabine Schulz
Alzheimer Gesellschaft Mannheim e.V.