Aus: Alzheimer Info 2/16

Was ist bei der Zahn-, Mund- und Prothesenpflege von Menschen mit Demenz zu beachten?

Zahnpflege ist in jedem Alter sehr wichtig und darf nicht vernachlässigt werden. Eine schlechte Zahnpflege und Mundhygiene hat nicht nur Auswirkungen auf die Zähne, sondern auf den gesamten Körper. Besonders ältere, behinderte und pflegebedürftige Menschen sind gefährdet, da sie oftmals die eigene Zahnpflege nur mangelhaft oder gar nicht selbst durchführen können.

Was ist bei der Zahn- und Mundhygiene zu beachten?

Menschen mit Demenz können sich zum Teil noch selbst die Zähne putzen. Unter Umständen reicht es, die Patienten zur regelmäßigen Zahnpflege aufzufordern und dann die richtige Ausführung der Zahnpflege zu kontrollieren. Können demente Menschen die Zähne nicht mehr selbst putzen, ist es notwendig, sehr behutsam vorzugehen. Demente Menschen haben auch ihre schlechten Tage und sind dann oftmals nicht bereit, sich die Zähne putzen zu lassen. Auch kann es vorkommen, dass sie den Mund nicht öffnen mit einem ergonomischen Griff sinnvoll und hilfreich sein.

Elektrische Zahnbürsten sind für ältere und behinderte Menschen oftmals eine Erleichterung, da die Reinigungsbewegungen nicht mehr selbst ausgeführt werden müssen. Die Zahnbürstenaufsätze sollten spätestens alle acht Wochen ausgewechselt werden.

Zahnzwischenräume können mit speziellen Zahnzwischenraumbürsten, mit Zahnseide oder einer Munddusche gesäubert werden. Auch hier gilt: ausprobieren und testen, was für den Patienten am besten und angenehmsten ist. Wer sich bei der richtigen Auswahl der Zahncreme unsicher ist, sollte den betreuenden Zahnarzt fragen.

Zahnprothesen müssen immer gut sitzen. Ein falsch sitzendes Gebiss kann Druckstellen verursachen, diese wiederum können sich entzünden und zu einem Krankheitsherd werden. Haftcreme für herausnehmbaren Zahnersatz ist für einen perfekten Sitz eine gute Sache. Manche Haftcremes haften jedoch so gut, dass das Gebiss sich zur Reinigung nur noch schlecht vom Kiefer ablösen lässt. Auch hier ist auszutesten, welche Haftcreme ideal ist.

Zähne und Zahnersatz sollten täglich zwei Mal mit einer Zahnbürste gereinigt werden. Ein herausnehmbarer Zahnersatz kann zusätzlich nach jeder Mahlzeit unter fließendem Wasser abgewaschen werden. Das Gebiss oder die Brücke kann entweder mit Gebissreinigertabs oder mit speziellen Ultraschallreinigern gereinigt werden. Sie lösen Beläge vom Zahnersatz. Bei Unklarheiten ist es ratsam, den behandelnden Zahnarzt zu fragen, was er empfiehlt. Er kann auch mit Tipps zur weiteren Pflege und zum Umgang mit dem zu pflegenden Patienten weiterhelfen.

Selbstverständlich müssen auch an Demenz erkrankte Menschen vom Zahnarzt betreut werden

Der Zahnarztbesuch ist keine Frage des Alters, der Krankheit oder der noch vorhandenen Zähne. Nur ein Zahnarzt kann feststellen, ob Mund und Zähne in Ordnung sind. Da Menschen mit fortgeschrittener Demenz ihre Beschwerden nicht mehr richtig äußern können, ist es unabdingbar, regelmäßig die Zähne kontrollieren zu lassen. Zur Behandlung von Patienten mit eingeschränkter Bewegungsfähigkeit gibt es mittlerweile auch Zahnärzte, die Hausbesuche machen.

Woran erkennt man bei dementen Menschen Probleme im Mund- und Zahnbereich?

Wer Schmerzen an den Zähnen, am Kiefer oder Zahnfleisch hat, verhält sich in der regel "auffällig". Demente Menschen können oftmals nicht mehr mitteilen, dass sie Schmerzen haben. Deshalb sollte auf besondere Anzeichen geachtet werden,  wie zum Beispiel:

  • Die Nahrung wird aufgrund von Schmerzen komplett oder teilweise verweigert, dadurch kann auch ein Gewichtsverlust eintreten.
  • Lieblingsgerichte werden nicht mehr gegessen.
  • Das Essen und Kauen geht langsamer von statten.
  • Trinknahrung wird bevorzugt.
  • Das Zahnfleisch blutet.
  • Starker Mundgeruch kann bedeuten, dass sich eine Entzündung im Mundraum befindet.
  • Zähne sind locker.
  • Zahnprobleme und Schmerzen im Mund- und Kieferbereich können Unruhezustände hervorrufen.

Dr. Helmut Kesler
Berlin, Landesvorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Alterszahnmedizin