Aus: Alzheimer Info 4/13

Weihnachten stellt für viele Angehörige von Menschen mit Demenz eine besondere Herausforderung dar. Auch am Alzheimer-Telefon ist das immer wieder ein Thema.

So fragt beispielsweise eine Tochter: „Meine Mutter lebt seit einem halben Jahr im Pflegeheim. Wir überlegen, ob wir sie zu Weihnachten nach Hause holen sollen, oder ob das für sie eine Überforderung ist. Im Heim wurde uns abgeraten, denn sie hat sich erst vor kurzem richtig dort eingelebt. Doch die Vorstellung, sie am Heiligen Abend dort alleine zu lassen, während wir feiern, fällt mir sehr schwer. Wie verhalte ich mich jetzt am besten?“

Am Telefon versuchen wir, gemeinsam eine Antwort zu finden: „Das Weihnachtsfest ist das Fest der Familie, und das Bedürfnis, seine Lieben um sich zu haben und gemeinsam zu feiern, ist sehr groß. Was würde es bedeuten, wenn Ihre Mutter in diesen Tagen bei Ihnen ist? Mit dem Fest ist einiges an Vorbereitungen verbunden. Können Sie Ihre Mutter dabei einbeziehen oder geraten Sie möglicherweise selbst in Hektik und werden ungeduldig, wenn Ihre Mutter Sie mit ihren Bedürfnissen von der Arbeit abhält? Lassen sich die Aufgaben auf mehrere Familienmitglieder verteilen? Oder kann jemand ganz von den Vorbereitungen frei gestellt werden, um sich nur um Ihre Mutter zu kümmern? Was ist, wenn Ihre Mutter unruhig wird und herumwandert oder beginnt, den Weihnachtsbaum abzuschmücken? Wird das die Stimmung zerstören und Unfrieden hervorbringen? Sind alle Familienmitglieder bereit, sich auf Störungen im gewohnten Ablauf einzulassen?

Versuchen Sie, diese Dinge möglichst gründlich zu überdenken. Wenn Sie zu dem Schluss kommen, dass die Chancen für ein harmonisches Fest bei Ihnen zu Hause gut stehen, sprechen Sie mit dem Personal im Heim darüber. Bitten Sie um Verständnis, falls ihre Mutter danach wieder etwas Zeit braucht, um sich im Heim einzufinden. Wenn Sie aber die Befürchtung haben, mit der Situation zu Hause überfordert zu sein, überlegen Sie lieber, wie Sie das Fest für Ihre Mutter auch im Heim stimmungsvoll und schön gestalten können.“

Vorschläge zur Gestaltung des gemeinsamen Festes

Das Weihnachtsfest bietet als traditionelles Fest der Liebe und der Familie viele Möglichkeiten für eine wohltuende gemeinsame Zeit. Lassen Sie sich erzählen, welche Erinnerungen Ihr Angehöriger mit diesem Fest verbindet. Schmücken Sie Ihre Wohnung so, wie es Ihr Angehöriger gewohnt ist. Wenn es möglich ist, gestalten Sie die Wohnung bzw. das Zimmer im Heim gemeinsam. Vielleicht können Sie zusammen auch einige Sterne basteln und in die Fenster hängen. In manchen Familien ist es Brauch, dass das Christkind (oder ein Engel) schon in der Vorweihnachtszeit ab und zu eine vergoldete Nuss in der Wohnung verliert. Das steigert die Vorfreude der Kinder, die diese Nüsse finden. Am 4. Dezember, zum Barbara-Tag, werden Kirschzweige in die Vase gestellt, die in der warmen Wohnung bis Weihnachten erblühen. Und auch das geheimnisvolle Gewisper, Geraschel und verschlossene Türen sind mit der Vorweihnachtszeit verknüpft.

Ganz wichtig ist natürlich die Weihnachtsbäckerei. Das gemeinsame Plätzchenbacken macht Spaß und stimmt mit seinen Düften auf Weihnachten ein. Besonders aufwendige Plätzchen sollten es aber besser nicht sein, sonst ist die Geduld auf beiden Seiten schnell überfordert. Ähnliches gilt für das Weihnachtsessen, das möglichst nicht zu kompliziert in der Zubereitung sein sollte. Überlegen Sie auch genau, wer von der Familie dabei sein soll. Zu viele Personen auf einmal können für Demenzkranke eine Überforderung darstellen. Was oft hilft, wenn die demenzkranken Angehörigen trotz aller Vorbereitung unter dem Weihnachtsbaum Unruhe überkommt: Stimmen Sie eines der vielen schönen Weihnachtslieder an. So kann die Harmonie meist schnell wieder hergestellt werden.

Vielleicht vermitteln Ihnen diese Anregungen ein paar Ideen, wie Sie das Weihnachtsfest in diesem Jahr mit und für Ihren Angehörigen gestalten wollen.

Übrigens: Früher hingen am Weihnachtsbaum oft Süßigkeiten für die Kinder. Falls Ihr Angehöriger sich daran macht, die Christbaumkugeln abzuräumen, könnte es daran liegen, dass er eigentlich nach Naschwerk sucht… 

Das Team des Alzheimer-Telefons