Aus: Alzheimer Info 1/16

Pflege kostet Kraft, und Angehörige, die Menschen mit Demenz zu Hause pflegen, geraten oft an ihre körperlichen und seelischen Grenzen, wenn sie sich nicht regelmäßig Auszeiten nehmen, sich um ihre eigene Gesundheit kümmern, oder bei Krankheit diese mittels Reha-Maßnahmen auskurieren. Doch was geschieht während dieser Zeit mit den Pflegebedürftigen?

Menschen mit Demenz, die zu Hause versorgt werden, haben Anspruch auf so genannte Verhinderungspflege und auf Kurzzeitpflege. Verhinderungspflege bedeutet: Fallen pflegende Angehörige aus, bezahlt die Pflegekasse auf Antrag eine Ersatzpflege zu Hause, z. B. einen Pflegedienst, oder in einer Einrichtung. Allerdings dürfen die Kosten jährlich, unabhängig von der Pflegestufe, 1.612 € nicht übersteigen. Dieser Betrag gilt seit Januar 2015 auch für die Pflegestufe 0 mit Demenz. Eine Ersatzpflege ist bis zu sechs Wochen pro Kalenderjahr möglich.

Kurzzeitpflege findet grundsätzlich stationär statt – also in einem Pflegeheim oder einer speziellen Kurzzeitpflegeeinrichtung. Um Leistungen für Kurzzeitpflege in Anspruch zu nehmen, ist keine besondere Begründung erforderlich. Auch hier stehen 1.612 € pro Jahr zur Verfügung, der maximale Zeitraum für die Kurzzeitpflege beträgt acht Wochen pro Jahr.

Der im Kalenderjahr nicht verbrauchte Betrag für Kurzzeitpflege kann bis maximal 806 € für Leistungen der Verhinderungspflege eingesetzt werden, so dass sich der Betrag für diese Leistung auf maximal 2.418 € jährlich erhöht. Umgekehrt können für die Kurzzeitpflege auch die Beträge der Verhinderungspflege verwendet werden und zwar in voller Höhe, wenn sie nicht verbraucht sind. Für die Kurzzeitpflege stehen damit bis zu 3.224 € zur Verfügung.

Das Pflegegeld wird ab 1.1.2016 während der Verhinderungs- bzw. Kurzzeitpflege für bis zu sechs bzw. acht Wochen in Höhe von 50 Prozent des vor der Verhinderung gewährten Betrages weiter gezahlt. Die Verhinderungspflege kann auf mehrere Zeitabschnitte verteilt oder auch stundenweise in Anspruch genommen werden, wenn Pflegende z. B. eine ambulante Reha-Maßnahme wahrnehmen, bei der sie jeweils weniger als acht Stunden pro Tag aus dem Haus sind. Bei einer Verhinderung der Pflegeperson von weniger als acht Stunden pro Tag wird das Pflegegeld in voller Höhe weitergezahlt.

Wenn Angehörige gemeinsamen Urlaub mit dem Pflegebedürftigen machen, so genannter betreuter Urlaub, kann ebenfalls Verhinderungspflege in Anspruch genommen werden.

Bärbel Schönhof
Rechtsanwältin und Fachanwältin für Sozialrecht und Vorstandsmitglied Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V., Bochum