Aus: Alzheimer Info 4/07

Meine Mutter ist 75 Jahre alt, leidet an der Alzheimer-Krankheit und ist seit 2002 pflegebedürftig. 2003 wurde sie mit Herzrhythmusstörungen in das Städtische Krankenhaus eingeliefert. Unsere Familie war voll in die Versorgung eingebunden, weil sie sonst weder genug gegessen noch getrunken hätte. Außerdem fehlte ihr die Orientierung, so dass sie etwa das Bad und die Toilette nicht finden konnte.

Unglücklicherweise war die Einsetzung des Herzschrittmachers verbunden mit einer Umstellung der Medikamente und unsere Mutter reagierte mit vorübergehender Verwirrheit ganz heftig auf die Narkose. Das bedeutete für uns als Familie, sie von 8 Uhr morgens bis 23 Uhr abends - trotz Fixierung - zu betreuen. Das war eine furchtbare Erfahrung für uns.

Nach einigen Tagen bestanden wir auf eine Verlegung in die Klinik für Gerontopsychiatrie, damit sie von speziellen Ärzten und Schwestern versorgt wurde. Von dort wurde sie erst nach acht Wochen entlassen. Und selbst in dieser spezialisierten Klinik erlebten wir, dass sie durch unerkanntes Fieber dehydriert wurde. Ich fand sie mittags, wie im Koma, inmitten von Ärzten, Schwestern und Mitpatienten, vor. Sie wurde dann schnellstens auf die Intensivstation gebracht.

Die Tage dort waren für uns wiederum eine schlechte Erfahrung. In einem Allgemeinkrankenhaus erlebten wir, dass sie durch ein quergeschobenes Bett "eingesperrt" wurde, damit sie, die unter starker Unruhe litt, nicht weglaufen konnte. Außerdem wurde auch dort ihr nächtlicher Hunger nicht beachtet, den sie durch ihr vieles Herumlaufen hatte. Sie aß dann Blumen und trank die Vasen aus. Wir hatten das Pflegepersonal genau auf ihre Eigenarten und Gewohnheiten hingewiesen, doch offensichtlich wurde dies nicht beachtet.

Unsere letzte sehr schlechte Erfahrung haben wir in einem Krankenhaus für Gerontopsychiatrie gemacht. Dort wurde unsere Mutter wegen starker Unruhe und Angststörungen eingeliefert. Obwohl sie im Jahr zuvor dort gut behandelt wurde, erlebten wir in diesem Jahr genau das Gegenteil. Nicht nur im Umgang mit unserer Mutter, hatten wir den Eindruck, dass die Stationsärztin mit dem Krankheitsbild Demenz völlig überfordert war. Das Verhalten unserer Mutter wurde ständig von ihr "beurteilt" und sie wollte uns überreden, Mutter endlich in ein Pflegeheim zu geben. Sie und das Pflegepersonal "beschwerten" sich fast täglich bei uns, wie schwer und personalaufwändig unsere Mutter zu pflegen sei. Und dies, obwohl jeden Tag jemand von uns drei bis vier Stunden bei ihr war und sie versorgte!

Einen Abend ist sie wohl sehr gefallen. Die Spuren sah man am ganzen Körper. Dann aß sie auch dort wieder Blumen und Erde und trank wohl auch Putzmittel, denn am nächsten Tag sah ich ihre verätzten Hände und Lippen. Am folgenden Nachmittag war sie total "ruhigestellt". Auch dort hatten wir von ihrem nächtlichen Hunger erzählt und sogar Grießpudding mitgebracht. Aufgrund der ständigen Beschwerden der Stationsärztin über meine Mutter wollte ich in der Klinik die Nachtwache an ihrem Bett übernehmen. Dazu kam es nicht, weil durch die Medikamentenumstellung dann doch eine Beruhigung erreicht wurde.

Unsere Mutter und wir waren in dieser Zeit sehr, sehr unglücklich! Seit diesem Aufenthalt geht es ihr auch wesentlich schlechter, in allem! Sie lebt jetzt seit einigen Monaten in einem Pflegeheim, obwohl wir sie sehr gerne zuhause gepflegt hätten.

Wir wünschen uns in normalen Krankenhäusern besser ausgebildetes Personal, das mit dementen Menschen in Würde und Wertschätzung umgehen kann. Wünschenswert wäre auch die Möglichkeit, dass Angehörige mit übernachten können, wie es in Kinderkliniken üblich ist. Außerdem müssten viel mehr Gespräche mit den Angehörigen stattfinden, denn die kennen die Erkrankten und ihre Bedürfnisse.

K. F.-H.
Münster