Aus: Alzheimer Info 4/18

Häufig wird mit dem Einsatz von Technik in der Pflege das Schreckensbild des Roboters verbunden, der eine pflegebedürftige Person mit kalter Metallklaue wäscht. Um uns ein Bild davon zu machen, wie der Einsatz intelligenter Technik in einem Pflegeheim heute tatsächlich schon aussehen kann, haben wir mit Birgit Michels-Rieß gesprochen. Sie hat den Neubau des Seniorenzentrums Breipohls Hof der Altenhilfe Bethel in Bielefeld-Senne begleitet und die Einrichtung bis Juni 2018 geleitet.

Unterstützung durch intelligente Lichtsysteme

Beim Bau der neuen Einrichtung, die im Juni 2013 ihre Pforten öffnete, wurde der Einsatz von digitaler Technik von vornherein mitgedacht. Das heißt beispielsweise, dass die technische Infrastruktur für eine flächendeckendes W-LAN-Netz vorbereitet und eine Schnittstelle zwischen Bussystem (Sensorische Assistenz) und Schwesternrufanlage integriert ist. Im Breipohls Hof wohnen 80 Menschen, bei 50 bis 70 Prozent davon liegt eine Demenz vor. Acht von ihnen wohnen in einer speziellen Demenz-Wohngruppe. Dort ist als Besonderheit im Gemeinschaftsraum eine Lichtdecke eingebaut, die das Tageslicht simuliert und unterschiedliche Lichtszenarien im Raum ermöglicht. Das sorgt dafür, dass die Bewohner sich tagsüber mehr im Gemeinschaftsraum aufhalten und sich weniger in ihre Zimmer zurückziehen. Neben der automatischen Programmierung ist es möglich, das Licht nach Bedarf von Hand anzupassen, etwa wenn es für ein bestimmtes Beschäftigungsangebot sinnvoll ist, die Lichtintensität (hell/dunkel) oder Lichtfarbe (warm-/kaltweiß) zu variieren. Um die Wege zur Toilette nachts sicherer zu machen, wird automatisch ein Nachtlicht aktiviert, sobald Bewohner aus ihren Betten aufstehen

Unterhaltung durch moderne Medien

Ebenfalls in jedem Zimmer installiert ist ein Smart-TV, auf dem neben den üblichen Fernsehprogrammen auch zwei eigene Kanäle des Hauses laufen. Auf dem einen finden sich interne Informationen, beispielsweise zu geplanten Veranstaltungen, der Speiseplan, sowie geistliche Impulse für den Tag. Auf dem anderen wecken Bilder und Filme von Festen der Einrichtung Erinnerungen an fröhliche Stunden. Ursprünglich war es auch möglich, die Fernseher für Videotelefonie per Skype zu nutzen. Diese Funktion ist aber mittlerweile von den Anbietern für Smart-TV abgeschafft worden. 

Mehr als ein „normaler“ Schwesternruf

Alle Bewohnerinnen und Bewohner haben in ihren Zimmern Telefone zur Verfügung, die über eine spezielle Freisprechfunktion verfügen: Wenn per Schwesternrufknopf ein Signal an die Pflegekräfte ausgelöst wird, können diese über ihr Mobiltelefon sofort nachfragen, ob beispielsweise ein Getränkewunsch besteht, und dann vielleicht die Flasche mit Saft gleich auf dem Weg zum Zimmer mitnehmen. Auch in anderen Fällen können die Pflegekräfte auf diese Weise zurückmelden, dass das Signal angekommen ist, auch wenn sie nicht sofort vor Ort sein können. Sehr zentral sind auch die Alarm-Funktionen durch Bewegungs- und Präsenzmelder (so genannte Sensorische Assistenz) in den Bewohnerzimmern. Darüber erhalten Pflegekräfte beispielsweise ein Signal, wenn ein sturzgefährdeter Bewohner aus dem Bett aufsteht oder wenn jemand nachts nach dem Toilettengang nicht wieder zurück ins Bett geht. Auch wenn bestimmte Türen geöffnet werden, geht ein Signal auf der Schwesternrufanlage ein.

Bei welchen Bewohnern welche Assistenzsysteme aktiviert werden, ergibt sich im Rahmen der individuellen Pflegeplanung und wird immer mit den Betroffenen und den Angehörigen abgestimmt. Für die Aktivierung der Systeme ist die Pflegedienstleitung zuständig, die Pflegefachkräfte kennen die verfügbaren Funktionen und können bei Bedarf den Einsatz anregen.

Die Zusammenarbeit mit den Herstellern ist wichtig

Birgit Michels-Rieß betont, wie wichtig bei der Einrichtung des Hauses die enge Zusammenarbeit mit den Fachplanern und Herstellern der verschiedenen technischen Systeme war. Denn an vielen Stellen war die Handhabung für die Praxis zu kompliziert oder auch mit datenschutzrechtlichen Anforderungen nicht vereinbar. Vieles musste durch die Hersteller auf den Bedarf der Pflege angepasst werden. Außerdem sollten alle eingesetzten Geräte robust und wartungsarm sein, damit sie auch kontinuierlich im Alltag eingesetzt werden können.

Die Mitarbeitenden müssen einbezogen werden

Zu Beginn habe es auf Seiten der Beschäftigten eine große Skepsis und Zurückhaltung gegeben. Sie befürchteten vor allem, dass die Technik alles kompliziert machen und die Beziehungsarbeit mit den Bewohnerinnen und Bewohnern einschränken würde. Durch eine gute Schulung der Mitarbeitenden und klare Zuständigkeiten bei Fragen und Problemen sei der Technikeinsatz im Haus mittlerweile völlig selbstverständlich geworden. Das Seniorenzentrum Breipohls Hof finanziert die Assistenzsysteme zum größten Teil aus Eigenmitteln der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel, die Träger der Einrichtung sind. Ein kleinerer Teil stammt aus Fördergeldern, wie beispielsweise der Deutschen Fernsehlotterie. Weder über die Pflegeversicherung, noch über den Investitionskostenzuschuss der Bewohnerinnen und Bewohner können die Systeme finanziert werden.

Susanna Saxl 
DAlzG

Internet:
www.altenhilfe-bethel.de