Aus: Alzheimer Info 2/08

Bis in das Jahr 1999 gehen die Anfänge des Netzwerks für Wohngruppen für Menschen mit Demenz in Freiburg zurück, das zunächst vom Arbeitsschwerpunkt Gerontologie und Pflege an der Kontaktstelle für praxisorientierte Forschung, dann als Modellprojekt mit Förderung des Gesundheits- und Familienministeriums betrieben wurde. Seit 2006 liegt das Netzwerk-Management bei einem bürgerschaftlichen Verein. Er unterstützt die angeschlossenen Wohngruppen durch gezielte Beratung, fördert den gegenseitigen Austausch, moderiert die Entwicklung von verbindlichen Qualitätsstandards und sensibilisiert die Kommune für das Thema Demenz. Die Wohngruppen werden in geteilter Verantwortung betrieben, also durch verbindliche Kooperation von Angehörigen, Fachkräften, beruflichen und ehrenamtlichen Helfer/innen.

Warum ein solches Netzwerk? Warum Wohngruppen für Menschen mit Demenz in „geteilter Verantwortung“?

Die Erfahrungen im Freiburger Modell haben gezeigt, dass „Geteilte Verantwortung“ einen Ausweg bietet aus dem Dilemma vieler Angehöriger: Überlastung hier oder Abgabe jeglicher Verantwortung dort. Geteilte Verantwortung bietet stattdessen gesteuerte und begrenzte Mitgestaltung und ein vielfältiges Aufgabenspektrum: So sind die Angehörigen für Mietangelegenheiten verantwortlich, häufig führen sie die Haushaltskasse und übernehmen (Groß-)Einkäufe, auch hauswirtschaftliche oder handwerkliche Aufgaben und sie sind im Alltag für die Bewohner/innen da. Angehörigen-Mitarbeit ist obligatorisch (z.B. im Umfang von 20 Std./Monat) und wirkt sich kostenmindernd aus.

Was trägt zum Gelingen des Modells bei?

Voraussetzung für das Gelingen geteilter Verantwortung, so zeigte die Begleitforschung zum Freiburger Modell, sind transparente, organisatorisch fest verankerte Kommunikationsstrukturen und die Gleichberechtigung von Fachkräften, Angehörigen und bürgerschaftlich Engagierten. Dann erwachsen aus der geteilten Verantwortung besondere Qualitäten: Ihre notwenig hohe Prozessorientierung erlaubt es, flexibel auf wechselnde Bedürfnisse der Bewohner/innen einzugehen. Die Zutrittsregeln zur Wohngruppe sind ähnlich wie im Privathaushalt und sorgen daher für eine natürliche soziale Kontrolle sowie für kulturellen Austausch zwischen draußen und drinnen. Beruflich in diesen Wohngruppen Tätige berichten über eine hohe Arbeitszufriedenheit, die zu entsprechend seltenem Personalwechsel führt – eine Kontinuität, die den Bewohner/innen zu Gute kommt.

Ambulante Wohngruppen in geteilter Verantwortung sind nicht leicht zu verwirklichen, da komplexe organisatorische, rechtliche und ökonomische Aufgaben zu bewältigten sind. Hier kommt das trägerübergreifende Netzwerk ins Spiel, das nach Kräften Unterstützung leistet.

Thomas Klie und Birgit Schuhmacher
Freiburg