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Lewy-Body Demenz


Autor Nachricht
Verfasst am: 01. 01. 2018 [16:56]
Mäuschen
Themenersteller
Dabei seit: 01.01.2018
Beiträge: 1
Liebe Angehörige,
durch Zufall entdeckte ich heute im Internet dieses Forum, und sage: endlich ein Forum mit der Krankheit, die bei meinem Mann schon recht früh mit 70 Jahren ( er ist jetzt 74) diagnostiziert wurde.
Ich hole mir Rat bei der Alzheimer Gesellschaft, dennoch denke ich so oft, diese Krankheit ist anders als die Alzheimer Krankheit, auch wenn vieles einander ähnelt.
Ab Mai letzten Jahres ging es meinem Mann immer schlechter, er fand sich auf Reisen gar nicht mehr zurecht, nachts ging er wandern, alle 10 Minuten auf die Toilette, dazu kamen Halluzinationen, wir leben seitdem nicht mehr allein in unserem Haus. Oft fragt er mich, wo ich denn schlafe, warum ich da sei etc. Das war dann im Oktober so schlimm, dass ich nur noch ein Nervenbündel war. Mein Mann bekommt neben L-Dopa und Rivastigmin Pflaster jetzt nach mehrerem Ausprobieren das Antidepressivum Amitriptylin 25 mg abends 1,seitdem schläft er fast durch und ich komm nachts zur Ruhe. Seine Halluzinationen sind aber noch da, immer Menschen, die ihm etwas böses wollen, die ihn frieren lassen z.B. hat er heute nacht seine Bettdecke auf dem Fußboden rutschen lassen, ich habe ihn zugedeckt, heute morgen sagt er, man hätte ihn frieren lassen und ausgeschimpft. Viele Handlungen und Vorkommnisse erkenne ich in seinen Geschichten wieder, aber ich bin das nie, es sind immer andere, manchmal gehen sie auch körperlich gegen ihn vor. Dazu kommt, dass sein Parkinson immer schlechter wird. Nachts steht er nicht mehr allein auf, er tippelt, bleibt angefroren stehen, sein Körper kann das alles nicht mehr ausgleichen. Spaziergänge gehen gar nicht, er rast plötzlich los, ich kann ihn nicht mehr halten, oder er kippt zur Seite. Einen Rollator lehnt er ab.
So ist eigentlich jeden Tag was neues, wenn ich denke, ich habe diese Hürde geschafft, kommt die nächste. So ist mein Mann vor 4 Tagen beim Ausziehen des Pyjamas trotz festhalten am Haltegriff umgefallen, hat sich dabei die Elle am Handgelenk gebrochen und einen Rippenbruch zugezogen.
Einen Pflegedienst, der ihn morgens waschen sollte, war so schnell nicht zu bekommen, aber da muss ich dran bleiben, auch wenn es ihm nicht so gefällt.
Einmal in der Woche geht er in die Tagespflege, ansonsten hat er Logopädie, seine Wortfindungsstörungen werden immmer größer, Hirnleistungstraining, Krankengymnastik.
An die Zukunft mag ich nicht denken, ich möchte und hoffe, dass ich ihn so lange wie möglich zu Hause versorgen kann.
Im Moment liegt mir am Herzen, dass ich gerne einmal verreisen möchte, am liebsten mit ihm. Denn in die Kurzzeitpflege möchte ich ihn nicht geben.
Ich habe aber bedenken, dass er sich in der neuen Umgebung nicht zurecht findet, dann so ängstlich wird, dass er nicht gehen kann und wieder fällt, dass er nachts herumwandert oder was weiß ich, was ihm noch so einfällt.
Habt ihr damit Erfahrungen, oder bleibt ihr nun zu Hause, weil es nicht mehr geht?
Über eure Erfahrungen würde ich gerne hören,
ein gutes und kraftvolles Neues Jahr wünscht Jutta

Verfasst am: 01. 01. 2018 [20:38]
eva22
Dabei seit: 11.12.2015
Beiträge: 7
Hallo Jutta,
Die Symptome, die Sie bei Ihrem kranken Mann schildern sind mir alle nur zu gut bekannt. Es ist manchmal einfach nicht mehr zu ertragen, und so gern man mal eine Auszeit hätte, kann man ihn einfach nicht mehr allein lassen. Normaler Urlaub ist so auch nicht mehr möglich. Um sich zu stärken, kann ich eine wunderbare Kurklinik empfehlen,-das Alzheimer Therapiezentrum Ratzeburg. Hier steht der pflegende Angehörige im Mittelpunkt, bekommt Tipps und Zeit zum Ausspannen. Die Kranken werden in einem geschützten Bereich betreut, wohin man jederzeit Zutritt hat, aber man kann tatsächlich mal den Kopf frei bekommen, ohne ihn tagelang anderen zu überlassen. Mir haben die 5 Wochen im vergangenen Jahr sehr gut getan.
Medikamentös wurde einiges ausprobiert, neben Rivastigmin bekam mein Mann erst Rivotril und später Quetiapin , was die Halluzinationen etwas milderte. Letztendlich kann man aber leider nicht viel dagegen tun. Den Rollator hatte mein Mann auch abgelehnt, aber als er kaum noch raus kam, habe ich ihn mehr oder weniger dazu gezwungen und dann hat er ihn voll akzeptiert.
Ich wünsche Ihnen ganz viel Kraft und grüße Sie herzlich Eva
Verfasst am: 02. 01. 2018 [08:43]
Jutta60
Dabei seit: 22.11.2017
Beiträge: 8
Liebe Jutta, liebe Eva,
auch mir ist das alles nur zu gut bekannt. Meine Mutter bekam die Diagnose allerdings erst sehr spät, was uns viel Leid brachte. Heute weiß ich gar nicht mehr, wie man das alles aushalten konnte.
Zu einer geplanten Reise kann ich leider nichts beitragen. Meine Mutter fuhr immer einmal im Jahr mit mir und meinem Mann für 3 Wochen in Urlaub. Als die Krankheit kam, merkte sie das selbst und hat jede weitere Reise, Kur, was auch immer, abgelehnt. Sie spürte selbst, dass eine Veränderung mit ihr vorging, konnte sie aber nicht erklären. Sie wollte unbedingt daheim bleiben, aber auf Dauer konnte ich das nicht leisten. Die Wahnvorstellungen und Halluzinationen wurden so stark, dass ich sie in ein Heim bringen musste. Ohne einen (professionellen) Abstand wäre ich daran zerbrochen.
Einen Rollator hat meine Mutter sehr lange abgelehnt. Aber die häufigen Stürze zwangen sie schließlich dazu und sie hat ihn zunächst draußen, dann auch in der Wohnung benutzt. Vielleicht können Sie Ihrem Mann zeigen, dass man damit Einkäufe transportieren kann und sich darauf ausruhen kann. So habe ich es bei meiner Mutter gemacht und ihr gesagt, dass es für mich leichter ist, wenn ich die Tasche/den Schirm/... nicht zu tragen brauche, sondern in ihrem Rollator-Korb ablegen kann.
Ich wünsche Ihnen und allen Angehörigen viel Kraft an jedem Tag in diesem Neuen Jahr, Jutta