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Endgültige Unterbringung in eine geschlossene Einrichtung


Autor Nachricht
Verfasst am: 18. 11. 2017 [16:21]
Anna56
Themenersteller
Dabei seit: 18.11.2017
Beiträge: 3
Hallo!

Ich heisse Anna und bin die Betreuerin meiner 80jährigen dementen Mutter, welche sich seit März 2017 in einem Pflegeheim befindet.

Leider musste sie vor fünf Wochen, aufgrund der Tatsache das sich meine Mutter im Pflegeheim von der Dachterrasse stürzen wollte und weil sie immer wiederkehrende Aggressivität (Treten, Schlagen, Beissen u. werfen mit Gegenständen) gegenüber dem Pflegepersonal zeigt, aufgrund einer einstweiligen Anordnung gem. § 1906 Abs. 1 Nr. 1 BGB i. Verb. mit § 331 FAmFG in die hiesige geschlossen G1 Gerontopsychiatrie untergebracht werden.

Nun, nach diesen 6 Wochen sehe ich mich gezwungen Montag eine Verlängerung zu beantragen. Das Amtsgericht teilte mir mit, das dies für weitere max. sechs Wochen erfolgen wird.

Ich hoffe sehr, das die Ärzte meine Mutter medikamentös einstellen können.
Um ihr ihren Stress, extreme Unruhe u. Aggressivität etwas zu nehmen.

Bisher war dies ohne Erfolg, da meine Mutter nicht versteht warum Tabletten (Bluthochdruck, Rheuma + zwei Neuroleptika) genommen werden müssen. Es geht mal zwei Tage gut, dann spuckt sie die Tabletten wieder aus und rennt nervös den Tag durch die Etage. Lehnt natürlich auch hygienische Hilfe jeder Art ab, schüttet Tee in‘s Gesicht der Mitmenschen.

Das Amtsgericht sprach mich bereits darauf an, das nach dieser Verlängerung, somit dann insgesamt 12 Wochen am Stück, nur noch eine „endgültige“ Unterbringung in einer geschlossenen Einrichtung folgen kann. Sollte es zu keinem Erfolg kommen.
Dazu muss rechtzeitig ein Gutachten erstellt werden. Ich sollte mir somit noch weit vor Ablauf der kommenden 6 Wochen meine Gedanken machen!

Mir graut es vor dem Gedanken! Ich möchte meine Mutter wieder in dem Pflegeheim sehen und nicht in einer geschlossen Psychiatrie.

Frage: Kann ich dies ablehnen? Ich möchte meine Mutter zumindest noch mal im Pflegeheim haben. Vielleicht klappt es dann doch noch. Zumindest für eine weitere Zeit.

Auch weiss ich z. Z. nicht, ob die gesetzliche Krankenversicherung zukünftig weiterhin die Unterbringung in der G1 übernimmt. Bisher ist das ja ein Krankheitsfall, für den die Krankenkasse aufkommt. Das Pflegeheim bezahle ich weiterhin, bei minimalen Kürzungen. Ist kein Sozialhilfefall; ich bezahle den Pflegeplatz aus dem Vermögen.

Frage:
Sollte sich nun spätestens nach Ablauf von weiteren sechs Wochen kein Erfolg einstellen und es zu einer endgültigen Unterbringung kommen, wird meine Mutter dann kein Krankheitsfall im sozialrechtlichen Sinne mehr sein? Wandelt sich das dann zu einem Pflegefall??

Falls ja, wird die Krankenversicherung wahrscheinlich nicht mehr für die Kosten der G1 aufkommen?

Dann müsste ich den Pflegeplatz im Heim aufgeben um die Unterbringung in einer geschlossenen Einrichtung bezahlen zu können.

Gibt es jemanden mit Erfahrungen bzw. Wissen über einen solchen Sachverhalt?

LG
Anna
Verfasst am: 20. 11. 2017 [13:36]
Anna56
Themenersteller
Dabei seit: 18.11.2017
Beiträge: 3
Ich war heute beim Amtsgericht und habe den Antrag auf Verlängerung gestellt / unterschrieben.

Mein Frage was eine "engültige" Unterbringung sozialrechtlich bedeutet, wurde mir beantwortet.
Es ist eine Unterbringung in einem Krankenhaus oder Heim mit einer geschlossenen Etage. Also würde dies wohl bedeuten, das ich den aktuellen Pflegeheimplatz aufgeben müsste um den neuen bezahlen zu können. Dies für einen unbestimmten Zeitraum, vielleicht auf Dauer. Sollte sich im Laufe der Unterbringung was am Zustand meiner Mutter verbessern(**), könnte ich mich nach einem neuen Pflegeheimplatz umschauen und es erfolgt eine Verlegung.

Wobei dies(**) wohl unrealistisch ist!

Von solchen geschlossenen Häuser scheint es nur sehr wenige zu geben. Vielleicht 10 (?) in NRW.
Alle zu weit von mir weg!

Will ich alles nicht!

Fazit: Ich hoffe nun, das die Gerontopsychiatrie in den kommenden max. 6 Wochen meine Mutter medikamentös erreicht, damit sie wieder ins Pflegheim kommt.

LG
Anna
Verfasst am: 22. 11. 2017 [23:37]
Augsburger
Dabei seit: 19.10.2016
Beiträge: 12
Hallo Anna
heute ist mein an FTD erkrankter Bruder (59) von Seiner Ehefrau ohne Vorwarnung und gegen den Willen unserer Eltern in ein geschlossenes Heim eingewiesen worden. Wie zu erwarten war hat er dort rebelliert und ist über den Gartenzaun augebüchst. Die zu Hilfe gerufene Polizei hat Ihn dann in die örtliche Gerontopsychiatrie eingewiesen.

Ich verstehe Deine Situation folglich sehr gut Eine "Geschlossene" wirkt erst mal äußerst abschreckend,allerdings gibt es bedauerlcherweise Situationen, wo uns Angehörigen gar kein anderer Weg übrigzubleiben scheint.
Ich habe die letzten Wochen versucht, mich auf diesen Fall X vorzubereiten. Ähnlich wie bei Dir in NRW gibt es hier in Bayern nur eine begrenzte Auswahl von Heimen , die auf verhaltensauffällige Demenzpatienten augerichtet sind und die auch noch auf die Schnelle einen Platz frei haben. Persönliche Auswahlkriterien wie "zu weit " entfernt mußte ich leider schon nach wenigen Tagen aufgeben. Allerdings lohnt eine hartnäckige Suche: es gibt tatsächlich auch ganz gute Heime mit geschlossenen Abteilungen,die sich nicht sehr von den offenen Abteilungen unterscheiden ,bzw. mit diesen unter einem Dach sind.
Interessant auch die Differenzierung "geschlossene" und "beschützte Abteilung" hier zu Lande : je nach Heimdefinition ist in Bayern "beschützend" manchmal geschlossen, kann aber auch eine Form von geschlossen "light" sein, bei der die Heimbewohner mit Trackern ausgestattet werden. Dieser verhindert dann zB das sich die Hauptausgangstür öffnet. Generell fand ich diese light Version viel ansprechender,allerdings liegt es da sehr an der Heimleitung inwieweit Sie Patienten für diese Form der Unterbringung als geeignet sieht ,bzw natuerlich auch, inwieweit die Patienten sich dort integrieren.
Diese Suchmaschine hat mir gut geholfen, allerdings ist Sie leider nicht vollständig :
https://www.pflege-navigator.de/

Ich wünsche Dir und deiner Mutter alles Gute !
Tom

ps. Vielleicht hilft Dir ja der Gedanke, daß eine Unterbringung in einer Geschlossenen nicht für die Ewigkeit sein muß. Mein Bruder hat die letzten Jahre in seinem Verhalten schon die unterschiedlichsten Entwicklungen durchgemacht..und wir mit Ihm.

Verfasst am: 10. 12. 2017 [15:22]
Anna56
Themenersteller
Dabei seit: 18.11.2017
Beiträge: 3
Ein abschliessendes Ergebnis.

Meine Mutter / ich habe Glück gehabt.
In der Gerontopsychiatrie hat man meine Mutter nach sieben Wochen "eingestellt bekommen", so dass sie wieder ins Heim konnte. Allerdings musste ich ein anderes (nicht geschlossenes) Heim finden, da offensichtlich das bisherige nicht klar kam.

Nun wurde aufgrund Empfehlung der geschlossenen Psychiatrie ein passendes Heim, 20 km entfernt von mir, gefunden. Ich alleine wäre nie auf dieses Pflegeheim gekommen! Die Damen des Hauses haben sich auch meine Mutter vorab angesehen um sich ein genaues Bild zu machen.

Nun befindet sich meine Mutter seit 2 Tagen in diesem Heim und mir wurde gesagt, das man klarkommt. Hier handelt es sich nun auch um ein Haus, welches mehr Demente als altersbedingte Pflegefälle betreut und die Dementen befinden sich alle in ihren eigenen Wohnbereichen.

Die altersbedingten Bewohner haben ihren eigenen Bereich.

Fazit: Das sollte jetzt klappen.

LG
Anna

[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 10.12.2017 um 15:23.]
Verfasst am: 10. 12. 2017 [15:50]
ttt
Dabei seit: 23.09.2016
Beiträge: 10
Toll, wenn es auch mal erfreuliche Nachrichten gibt! So könnt ihr vielleicht beide eine ruhige Weihnachtszeit genießen.
Ich wünsche Dir / Deiner Mutter für die Zukunft alles Gute und das es noch lange so bleibt wie momentan.

LG
Thomas