Die Foren der Deutschen Alzheimer Gesellschaft bilden einen Treffpunkt zum Erfahrungsaustausch für Betroffene und Interessierte.

In den offenen Foren können Sie Beiträge lesen, eigene Beiträge verfassen und neue Diskussionsthemen beginnen. Ein Grundsatz für die Kommunikation im Internet bleibt dabei natürlich Fairness und die gegenseitige Wertschätzung. Bitte lesen Sie dazu auch die Nutzungsbedingungen des Forums.
 Zu den Nutzungsbedingungen

Für Rückfragen, bei Problemen oder mit Hinweisen auf eine missbräuchliche Nutzung des Forums können Sie sich an die Administratorin wenden: Susanna Saxl

Benutzeranmeldung

Geben Sie Ihren Benutzernamen und Ihr Passwort ein, um sich an der Website anzumelden:
Anmelden
Thema mit vielen Antworten

Suche Austausch mit anderen Betroffenen!


Autor Nachricht
Verfasst am: 06. 09. 2017 [17:18]
Silva.P
Dabei seit: 04.09.2017
Beiträge: 4

Hallo Flora
Ich habe mich im Forum angemeldet, um mich wie du mit betroffenen Angehörigen auszutauschen.
Ich habe deinen Beitrag von 2016 gelesen, wie du die ersten Phasen deiner Mutter erlebt und geschildert hast. Es hat mich sehr ergriffen, da ich dieses selbst bei meiner Mutter 73 Jahre erlebe. Am Anfang war es mit meiner Mutter wie bei deiner, Tabletten vergessen(Herzmedikamente),wenig getrunken u. gegessen. Ihren Tagesablauf und Haushalt konnte sie nicht mehr organisieren. Als dann vor ca.11 Wochen eine totale Veränderung ihres Gesundheitszustandes zunahm, ging ich mit ihr zum Arzt und es erfolgte eine Einweisung in eine Klinik für Gerontologie. Dort wurden verschiedene Untersuchen gemacht, welche die Bestätigung ergaben, das sie an Alzheimer Demenz leidet. Das war für mich erst einmal ein Schock. Sie stellten meine Mutter auf Medikamente ein, unter anderem mit Exelon( Rivastigmin). Nach 4 Wochen stand dann die Entlassung an und ich hatte das Glück ein Pflegeheimplatz zu bekommen. Ich stellte mir auch die Frage, ist es schon notwendig? Habe mit den Ärzten und dem Sozialdienst gesprochen und diese öffneten mir die Augen und meinten, das es nicht besser wird. Ich bin berufstätig und kann meine Mutter nicht rund um die Uhr pflegen. Meine Mutter hat dem Umzug ins Pflegeheim relativ gut aufgenommen. Ich vermute es sind die Medikamente, welche auch ihre Aggressivität und die Angst nehmen. Ich kann dir gern einen Rat geben, frag den Neurologen nach Medikamenten die deiner Mutter helfen könnten. Schlaftabletten sind wirklich auf Dauer keine
Lösung. Es wäre vielleicht auch zu überlegen, deine Mutter eventuell doch in ein Pflegeheim zu geben, gerade wegen ihrer nächtlichen Ausflüge. Sprich doch noch mal mit ihr, vielleicht ist sie nach dem 1,5 Jahren einsichtiger geworden.Lg Grüße
Verfasst am: 06. 09. 2017 [20:33]
Flora61
Themenersteller
Dabei seit: 09.01.2016
Beiträge: 79
Hallo anonym!
Es tut mir sehr leid dass du momentan solche Probleme hast.
Es erinnert mich sehr an meine Mutter als ihre Erkrankung diagnostiziert wurde bzw.schon fortgeschritten war.
Es war für meinen inzwischen verstorbenen Vater eine große Belastung,die er aber meistens trug ohne zu jammern.Streitigkeiten zwischen meinen Eltern nahmen aber drastisch zu,sodass ich mitunter gar keine Lust mehr hatte,sie zu besuchen.
Als mein Vater dann verstorben war kam eine weitere sehr schwere Zeit,in der ich dann herhalten musste.
Geholfen hat mir eine Demenzgruppe,hier in der Nähe.
Andere Betroffene,teilweise jünger oder älter und eine Demenzbeauftragte,die uns die Krankheit näher brachte und zuhörte.
Sie erklärte was die Krankheit ausmachte und für mich ganz,ganz wichtig...wie man sich als Angehöriger verhalten sollte.
Ich weiß heute dass ich zu anfangs viel falsch gemacht habe.Ich habe versucht meiner Mutter mit logischen Erklärungen beizukommen.Ein Kampf gegen Windmühlen denn mit logischen Erklärungen kommt man bei Alzheimer Demenz nicht weiter.
Das wichtigste ist Geduld....immer wieder Geduld und sich versuchen aus heiklen Situationen zu befreien.
Mir persönlich hat dieser Kurs sehr viel gebracht.
Ich selber wurde ruhiger weil ich verstanden habe dass es meine Mutter,so wie ich sie kannte und liebte nicht mehr gab.
Ich konnte mich ihr wieder annähern...ohne Wut und ohne Groll.
Geholfen haben natürlich auch die Medikamente des Neurologen.
Meine Mutter ist insgesamt viel friedlicher geworden.
Ich möchte dir dringend raten einen Demenzkurs zu besuchen und auf Medikamente zu bestehen.
Autofahren geht natürlich nicht mehr.Da müsst ihr euch etwas einfallen lassen.
Melde dich gerne nochmal!
LG Anja
Verfasst am: 06. 09. 2017 [20:52]
Flora61
Themenersteller
Dabei seit: 09.01.2016
Beiträge: 79
Hallo Silva P.
Herzlichen Dank für deinen lieben Kommentar.
Auch dir möchte ich sagen dass mir deine Situation leid tut.
Ich weiß wie schlimm es ist wenn ein naher Angehöriger, hier deine Mutter,erkrankt und zwangsläufig in ein Pflegeheim umziehen muss.
Da du selber berufstätig bist,hast du ja auch quasi keine andere Wahl und wenn sich deine Mutter gut eingelebt hat,ist eure Lösung sicherlich zu begrüßen.
Ich habe das große Glück dass ich nicht berufstätig bin und mich täglich um meine Mutter kümmern kann.
Medikamente bekommt sie vom Neurologen.Rivastigmin,Risperidon und zum schlafen Melperon.
Inzwischen ist sie gut auf ihre Medikamente eingestellt.Sie ist wesentlich friedlicher und umgänglicher.Oft können wir sogar miteinander lachen...das war vor 1 Jahr nicht möglich.
Das einzige ist halt das träumen bzw.wach werden nachts was mitunter nicht gut klappt.
Inzwischen hab ich ihr Zettel gemacht dass sie mich sofort anruft wenn sie wach wird.
Im Moment funktioniert das.Sie hat zweimal nachts bzw.am späten Abend angerufen.Durch gutes Zureden oder hinfahren konnte ich sie jedesmal davon abhalten auf Wanderschaft zu gehen.
Ich weiß natürlich dass es nicht immer so bleiben wird aber momentan läuft es.
Von einem Umzug in ein Pflegeheim will sie noch nichts wissen.Da wird sie ungehalten.
Ich will versuchen sie so lange wie möglich Zuhause zu lassen aber wenn es nicht mehr geht muss ich mich kümmern.
Ich wünsche dir alles Gute...LG Anja
Verfasst am: 12. 09. 2017 [11:04]
Martina79
Dabei seit: 12.09.2017
Beiträge: 15
Hallo, ich bin hier relativ neu im Forum. Ich habe mich hier angemeldet, weil ich etwas über das Thema Demenz erfahren wollte. Mein Papa (7icon_cool.gif scheint immer Tüddeliger zu werden. Und ich weiß nicht, ob das einfach ganz normale Alterserscheinungen sind, oder der Beginn einer Demenz. Wenn ich mir die Beiträge hier so durchlese, bekomme ich ganz furchtbare Angst. Ich muss dazu sagen ich bin Einzelkind und habe immer ein tolles Verhältnis zu meinen Eltern gehabt. Ich könnte es nicht ertragen, wenn Papa mich nicht mehr erkennt.
Verfasst am: 12. 09. 2017 [18:40]
Flora61
Themenersteller
Dabei seit: 09.01.2016
Beiträge: 79
Hallo Martina!
Hab dir jetzt zweimal einen längeren Beitrag geschrieben,der jedesmal weg ist.
Warum?Keine Ahnung!
Sorry,würde dir gerne helfen.Kannst du nicht einen neuen Post eröffnen?Dann kann ich dir dort Antworten.
LG Anja
Verfasst am: 13. 09. 2017 [08:57]
Flora61
Themenersteller
Dabei seit: 09.01.2016
Beiträge: 79
Hallo Martina,ich versuch es nochmal.
Als erstes möchte ich dir sagen dass ich es sehr gut finde dass du dich jetzt schon erkundigst,was die Krankheit ausmacht.
Ob dein Vater tatsächlich an Alzheimer Demenz erkrankt ist,kann nur eine ausführliche Untersuchung beim Neurologen bestätigen.
Erster Anlaufpunkt wäre der Hausarzt,der eine Überweisung ausstellt.
Ich würde,wenn du einen guten Kontakt,besonders zu deinem Vater,hast ihm den Vorschlag machen einen Neurologen aufzusuchen.
Wenn er nicht möchte,viele merken dass etwas nicht stimmt und wollen keine Bestätigung,könnte auch der Hausarzt ihn wegen einem anderen Grund überweisen.( nur so gesagt)
Es wäre wichtig dass dein Vater schon jetzt Medikamente bekommt,die eine Demenz nicht heilen aber ein Fortschreiten der Erkrankung beeinflussen kann.
Ich hoffe ich konnte dir etwas Mut machen und wünsche alles Gute!Anja
( Habe mich jetzt kürzer gefasst in der Hoffnung mein post bleibt.)

[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 13.09.2017 um 08:58.]
Verfasst am: 13. 09. 2017 [14:01]
Martina79
Dabei seit: 12.09.2017
Beiträge: 15
Hallo liebe Anja, ich kann deinen Beitrag sehen. Ich möchte mich bei dir für die lieben und aufmunternden Worte danken. Ich denke, es ist nicht so einfach meinen Papa zu bewegen, sich an einen Hausarzt deswegen zu wenden. Dein Vorschlag mit dem Vorwand ist schon gut, aber mir fällt partout nichts ein, was das sein könnte.
Verfasst am: 13. 09. 2017 [19:46]
Flora61
Themenersteller
Dabei seit: 09.01.2016
Beiträge: 79
Hallo Martina!
Könntest du ein Gespräch mit dem Hausarzt führen?Vielleicht sogar zusammen mit deiner Mutter?
Du könntest ihm von deinen Ängsten berichten und ihn bitten dir zu helfen.
Er muss dir ja über deinen Vater keine Auskünfte geben.
Ein Neurologe bestätigt oder eben nicht eine Demenz.
Er ist aber auch für andere Beschwerden da.
Meine Tochter z.b. leidet schon lange an Migräne und geht zum Neurologen.
Mein verstorbener Vater hatte Missempfindungen in den Beinen,es wurde Parkinson diagnostiziert.
Sicherlich gibt es bestimmt noch andere Beschwerden wo der Neurologe Ansprechpartner ist.
Dem Hausarzt fällt sicherlich etwas ein.
LG Anja
Verfasst am: 18. 09. 2017 [16:04]
anonym
Dabei seit: 08.02.2013
Beiträge: 0
Hallo Flora,
vielen lieben Dank für deine Antwort. Es ist zur Zeit alles ein wenig stressig, habe schon Kontakte aufgenommen, denn mir ist durchaus klar das auch ich Hilfe brauche um mit der Krankheit meines Mannes umgehen zu können. Durch seine Medikamente ist er wenigstens etwas ruhiger geworden, aber was mir am meisten zusetzt ist seine Wesensveränderung. Wir sind nun fast 40 Jahre verheiratet, er war immer fürsorglich und wir konnten problemlos auch mal streiten, wie in jeder normalen Ehe. Mit dem Autofahren hat er wohl jetzt erst einmal akzeptiert, fragt sich nur wie lange es anhält. Wovor mir am meisten bange ist ,wie soll es werden wenn es schlimmer wird. Auch ich bin nicht gerade die Gesundheit in Person aber wir haben uns immer versprochen bis zu Ende füreinander da zu sein. Ich werde wohl erst einmal alles abwarten vielleicht wird es ja nicht so schlimm, erhoffe mir durch den Austausch mit anderen Betroffenen besser damit umgehen zu können. Noch einmal herzlichen Dank für deine liebe Antwort , es tut einfach gut sich jemanden mitteilen zu können. Mit ganz lieben Grüßen

[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 18.09.2017 um 16:05.]
Verfasst am: 18. 09. 2017 [22:12]
Flora61
Themenersteller
Dabei seit: 09.01.2016
Beiträge: 79
Hallo anonym!
Diese Wesensveränderung ist wirklich schlimm.
Mich hat es auch immer fertiggemacht zu sehen,wie sehr sich meine Mutter verändert hat.
Gerade wenn man lange Jahre verheiratet ist,meint man seinen Ehepartner gut zu kennen.
Und plötzlich ist das nicht mehr der Ehepartner,mit dem man seit vielen Jahren sein Leben teilt.
Mein Vater hat immer, bis zu seinem Tod,zu meiner Mutter gehalten und es war ihm sehr wichtig dass sie weiterhin gut versorgt ist.
Allerdings verstand er sie auch oft nicht mehr.
Aber man steht zueinander...in guten wie in schlechten Zeiten.
Du musst dir klar machen dass dein Mann nicht mehr derselbe ist,der er vorher war.
Seine Wutausbrüche oder seine Wesensveränderungen kommen durch seine Krankheit.
Er kann nichts dafür und würde sicherlich alles geben,wenn er wüsste das es so ist,um wieder der Alte zu sein.
Die Krankheit verändert sein Wesen.War er früher fürsorglich und ein lieber Mensch,kann er jetzt umschlagen...wird egoistisch und ein Streithahn.
Diese Erkenntnis habe ich lange nicht wahrhaben und akzeptieren wollen.
Ich konnte nicht glauben dass sich ein Mensch so verändern kann.Aber er tut es leider.
Ich hoffe dass sich unter den Medikamenten sein Verhalten allmählich bessert.
Denke noch nicht daran dass es abrupt schlechter wird.Sein Zustand kann jetzt längere Zeit so bleiben.
Versuch dir ein Netzwerk aufzubauen,das dir helfen kann wenn du mal eine Auszeit brauchst.
Manchmal helfen schon ein paar Stunden um wieder zu Kräften zu kommen.
Vergiss deine Gesundheit nicht!
Und mach dir immer wieder klar...er macht es nicht mutwillig.Er ist krank.
Wenn es mal schlimm ist,geh für ein paar Minuten raus.Mach einen kleinen Spaziergang,einmal ums Eck.
LG Anja