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Agressiver Vater


Autor Nachricht
Verfasst am: 04. 01. 2018 [15:47]
anonym
Dabei seit: 08.02.2013
Beiträge: 0
Hallo liebes Forum,
ich habe mich nach langem Hin und Her nun doch angemeldet, da ich mich wirklich hilflos fühle.
Mein Vater (77) leidet seit ca. 4 Jahren an Alzheimer, leider mit erhöhter Agressivität.
Schon vor seiner Alzheimer Krankheit war er verbal agressiv gegenüber den Kindern ( 3 erwachsene Kinder), jedoch vor einem Jahr hat er dann meine ältere Schwester so sehr verprügelt bis hin zu würgen, dass wir die Polizei gerufen haben.Er wurde daraufhin eine zeitlang ruhiger,suchte aber immer wieder nach Gelegenheiten sich zu streiten. Er beschuldigt Mitbewohner (meine Mutter und mich) ihm Sachen geklaut zu haben, schreit rum, bedroht dass er mich umbringen wird, etc. Vor 2 Monaten ist er mir dann auch an die Gurgel gegangen. Abends ist er immer im Haus herumgelaufen hat Lärm gemacht, etc. Wir sind daraufhin zum Arzt gegangen, dieser hat ihm dann Risperidon und Melperon verschrieben. Das hat dann auch einige Zeit geklappt, jedoch fängt er seit 2 Wochen an seine Matraze aus seinem Bett zu nehmen und ins Wohnzimmer zu legen. Er legt sich dann um 12 Uhr mittags mitten ins Wohnzimmer auf eine Matraze. Ihm klarmachen zu wollen, dass dies ein Wohnzimmer ist und keine Schlafzimmer führt zu erneuter Agressivität. Es ist wirklich nicht mehr zum Aushalten. Meine Mutter auch 77 leidet an einem starken Bandscheibenvorfall, zwei künstliche Knie und läuft mit einem Rollator und ist selbst in Pflege, er beschimpft sie sehr schlimm, so dass sie rot anläuft und Herzschmerzen bekommt. Er terrorisiert einen wirklich, er geht jede 2 min vor die Haustür, er öffnet Briefe, wenn die Putzfrau kommt beschattet er sie, er knallt seine Faust gegen die Wand. Er sagt immer wieder er wird alle aus dem Haus raussschmeissen und zu meiner Mutter sagt er, er wird sie in den Wahnsinn treiben. Ich selbst bin zur Zeit zuhause, da ich mich nicht traue meine Mutter alleine zu lassen. Ich weiss, dass einige sagen werden wieso man das mit sich machen lässt, jedoch denkt man immer vielleicht wird er ja besser, vielleicht besänftigt ihn ja diese oder diese Tablette, jedoch hat es bei ihm anscheinend keinerlei Wirkungen. Der Arzt, sagt dann immer ja die Tabletten sind ja nur als Test, man muss verschiedene Medkamente ausprobieren. Da man auch so viel schlechtes von den geschlossenen KH gehört hat, weiss man nicht was man tuen soll. Meine Schwestern und ich ziehen dies immer weiter in die Länge, jedoch kann ich es wirklich nicht mehr aushalten, da er meine Mutter mit seinem Verhalten wirklich zerstört.
Ich selbst habe auch keinen ruhigen Schlaf mehr. Ich weiss nicht was ich tuen soll, wie geht man mit dieser Agressivität und diesem Verhalten um? Es kann nicht sein, dass er das komplette Wohnzimmer bzw. die komplette erste Etage einnimmt.
Verfasst am: 05. 01. 2018 [07:21]
Jutta60
Dabei seit: 22.11.2017
Beiträge: 8
Hallo lieber Fragesteller,
Sie erleben mit Ihrer Familie eine wirklich schlimme Zeit. Gemeinsam mit Ihren Geschwistern müssen Sie ein Leben mit zwei pflegebedürftigen Elternteilen meistern. Aber zu Ihrer Frage. Sie haben sich die Antwort ja schon selbst gegeben, indem Sie sich die Situation hier schriftlich in Erinnerung gerufen haben. Sie wissen, dass ambulant anscheinend keine Therapie machbar ist, die auch greift, haben aber einen Arzt, der die Lage soweit kennt, dass er Risperidon verschreibt. Sie wissen, dass Sie mit einem Demenzkranken nicht diskutieren können und dass Ihrem Vater anscheinend auch jede Einsichtsfähigkeit in seine Krankheit fehlt. Natürlich kann man viel tun, es gibt ja jede Menge Ratschläge für die Alltagsbewältigung hier im Forum und auf den einschlägigen Websiten. Und nach einer Krankheitsgeschichte von 4 Jahren haben Sie sicher viele Strategien gelernt. Was haben Sie an schlechten Informationen über eine Unterbringung in einer Gerontopsychiatrie gehört? Dort kann man die Patienten optimal betreuen und medikamentös einstellen. Schlecht ist nur, dass es zu wenige Therapieplätze gibt. Auch ich wollte das nie und konnte es mir nie vorstellen und musste meine Mutter auch dorthin bringen. Sie war mir ein Leben lang die beste Mutter, es ist mir nicht leicht gefallen. Und man konnte ihr helfen, also soweit man da noch von Hilfe sprechen kann, heilen kann man ja nichts mehr. Wissen Sie, wie gut die Compliance bei Ihrem Vater ist? Vielleicht nimmt er die Medikamente nicht regelmäßig oder in der verschriebenen Dosis? Bitte sprechen Sie mit dem behandelnden Arzt über die Lage.
Die Pflege und Betreuung eines Demenzkranken fordert Angehörigen viel ab. Bitte prüfen Sie mit Ihren Geschwistern, wie es um die Pflegebereitschaft grundsätzlich bestellt ist. Sie berichten ja nicht nur positive Dinge aus der gesunden Zeit ihres Vaters. Aus meiner Erfahrung heraus als pflegende Angehörige muss ich sagen, dass ich es nicht gekonnt hätte, wenn etwas zwischen mir und meiner Mutter gestanden hätte. Vielleicht denken Sie auch gemeinsam mit Ihren Geschwistern an das Fortschreiten der Krankheit und planen evtl. eine Fremdbetreuung. Man sollte da natürlich auch nicht zu überstürzt vorgehen, gerade wenn sich so gravierende Verschlechterungen zeigen, ist die Bereitschaft zu einer Veränderung besonders groß.
Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie alles Gute und dass Sie bald Unterstützung finden.