"Nachgefragt" – Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft

Die Nationale Demenzstrategie wurde 2020 von der Bundesregierung verabschiedet und wird seitdem von den Akteuren der Strategie eigenverantwortlich umgesetzt. Die Umsetzung der Maßnahmen ist für die Öffentlichkeit nicht immer leicht nachzuvollziehen. Sabine Jansen, Geschäftsführerin der Deutschen Alzheimer Gesellschaft hat Rede und Antwort gestanden.

Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V. Selbsthilfe Demenz (DAlzG) ist der Bundesverband der Alzheimer-Gesellschaften in Deutschland. Sie war in allen vier Arbeitsgruppen an der Entwicklung der Nationalen Demenzstrategie beteiligt und hat den Co-Vorsitz in der Steuerungsgruppe inne. Die DAlzG ist an der Umsetzung von 38 Maßnahmen beteiligt.

Die Selbsthilfeorganisation wurde im Jahr 1989 von Angehörigen Demenzerkrankter und anderen Engagierten gegründet und setzt sich seitdem für eine Verbesserung der Situation von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen ein. Sie ist als gemeinnützig anerkannt und nur diesem Ziel verpflichtet.

Im folgenden Interview erläutert Sabine Jansen, langjährige Geschäftsführerin der Deutschen Alzheimer Gesellschaft, die Arbeit der DAlzG und gibt Einblicke in die Umsetzung verschiedener Maßnahmen der NDS.

Frau Jansen, welche Aufgaben hat die Deutsche Alzheimer Gesellschaft?

Sabine Jansen: Die Hauptaufgabe der Alzheimer-Gesellschaften bundesweit ist die Beratung von Menschen mit Demenz und Angehörigen. Wir bieten Gruppen zum Austausch an und klären die Öffentlichkeit über Demenzerkrankungen auf. Vor Ort gibt es noch eine Reihe weiterer Angebote wie Tanz-Cafés, betreute Urlaube und vieles mehr.
Als Bundesverband der 135 Mitgliedsgesellschaften betreiben wir das bundesweite Alzheimer-Telefon, publizieren zu allen Themen rund um das Thema Demenz online und in Form von Broschüren, erstellen Materialien zum Welt-Alzheimertag und vertreten die Interessen von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen in der Politik und in Gremien auf Bundesebene. Außerdem fördern wir mit einem eigenen Programm Forschungsvorhaben, die auf Verbesserungen im Bereich Demenz zielen.

In welchem Bereich Ihrer Organisation spielen Menschen mit Demenz eine Rolle und was tun Sie dort konkret für Menschen mit Demenz?

In unserem Beirat „Leben mit Demenz“ beraten aktuell sieben Personen, die an unterschiedlichen Formen einer Demenz erkrankt sind, unseren Vorstand und unser Team zu verschiedenen Fragen. So haben wir im Vorfeld der Erarbeitung der Nationalen Demenzstrategie (NDS) einen Workshop organisiert, in dem Erwartungen an die NDS formuliert wurden. Der Beirat hat an der Erstellung verschiedener Broschüren mitgearbeitet und zuletzt die Infografik „11 Warnsignale für Demenz“ maßgeblich mitgestaltet. Zu manchen Sitzungen waren Forschende eingeladen, die die Meinung von Menschen mit Demenz in ihre Forschung einbeziehen wollten. Auch bei Tagungen sind regelmäßig einzelne Mitglieder des Beirats oder auch andere Personen mit Demenz als Referierende einbezogen. Viele unserer Mitgliedsgesellschaften haben eigene Gruppen für Menschen mit Demenz – sei es, um sich bei beginnender Demenz auszutauschen oder bei fortgeschrittener Erkrankung in einer Betreuungsgruppe Geselligkeit zu erfahren. Dabei gibt es kreative Gruppen, die Bewegungsangebote machen, zum Malen und Bildhauen einladen oder gemeinsam in einem Chor singen.

Sie haben sich an 38 Maßnahmen der Nationalen Demenzstrategie beteiligt. Können Sie am Beispiel einer Maßnahme beschreiben, welchen Weg diese Maßnahme bei der Umsetzung durch Ihre Organisation nimmt? Wer ist an der Umsetzung der Maßnahme in Ihrer Organisation beteiligt?

Die 38 Maßnahmen sind unterschiedlicher Art. Einen Standardweg der Umsetzung gibt es daher nicht. Manche Maßnahmen sind von uns als Bundesverband zu organisieren. Andere Maßnahmen sind nur dezentral umzusetzen, da sie vor Ort Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen unterstützen sollen. So sind bei der Maßnahme 2.1.3 unsere Mitgliedsgesellschaften wichtige Akteure bei der Umsetzung. Diese Maßnahme hat die Stärkung der Beratung zu Demenz in öffentlichen Einrichtungen zum Ziel und unter anderem sind auch die Länder und die kommunalen Spitzenverbände daran beteiligt.

Aufgrund der Corona-Pandemie gestaltet sich der Aufbau von neuen Angeboten zurzeit schwierig. Wenn wieder Kraft für Neues da ist, würden wir zunächst unsere Mitgliedsgesellschaften zu einem Austausch einladen. Es gibt bereits niedrigschwellige Beratungsangebote, die man als Praxisbeispiele darstellen könnte. Damit kann man andere Alzheimer-Gesellschaften und Akteure ermuntern, diesem Weg zu folgen. Außerdem kann man damit Hilfestellung bei Fragen geben und Umsetzungsprobleme gemeinsam besprechen. Eine Hürde bei der flächendeckenden Umsetzung wird sein, dass es für die Schaffung dieser Angebote derzeit keine Finanzierung gibt. In manchen Kommunen wird es vermutlich Hilfe geben. Denkbar wäre zum Beispiel die Bereitstellung von Beratungsräumen oder Unterstützung finanzieller Art, um Personal einsetzen zu können. Eine derartige Hilfe ist aber nicht an allen Orten garantiert. Das Gelingen dieser Maßnahme ist dann auf den guten Willen und das (ehrenamtliche) Engagement der Akteure sowie den Einsatz anderer Ressourcen angewiesen.

An welche Person/Stelle können sich Mitglieder Ihrer Organisation wenden, wenn sie sich für die Umsetzung der Maßnahme interessieren?

An der Umsetzung sind verschiedene Personen unseres Teams und auch des ehrenamtlichen Vorstandes beteiligt. Den besten Überblick über die Gesamtheit der Maßnahmen hat die Geschäftsführung bei uns, namentlich außer mir meine Kollegin Saskia Weiß.

Wann können Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen von diesem Angebot profitieren?

Für die Umsetzung der Maßnahmen sind verschiedene Zeitpunkte für die nächsten Jahre bis 2026 definiert. Unser Alzheimer-Telefon hat schon jetzt das Ziel einer zehnprozentigen Erhöhung der Anrufendenzahlen erreicht, das heißt, schon jetzt profitieren mehr Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen vom Ausbau der Beratung. Andere Maßnahmen sind schon umgesetzt, wie die neue Internetseite www.alzheimer4teachers.de. Diese informiert die Schulen und andere Institutionen, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, zum Thema Demenz und stellt ihnen Handwerkszeug zur Verfügung. Das ist eine Maßnahme, die indirekt wirkt und nicht unmittelbar den Betroffenen nützt. Das macht sie aber nicht weniger wichtig. Durch die Corona-Pandemie konnten Schulen allerdings noch nicht über dieses neue Angebot informiert werden. Auch bei anderen Maßnahmen wird es Verzögerungen geben, da viele Einrichtungen zurzeit andere Prioritäten setzen müssen.

Aber ich bin mir sicher: Das Thema Demenz wird uns auch in den nächsten Jahren noch beschäftigen und die Dringlichkeit, etwas zu tun und Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen zu unterstützen, wird steigen. Das hat auch die Corona-Pandemie sehr deutlich gezeigt. Umso wichtiger ist es, dass die Maßnahmen der Nationalen Demenzstrategie zügig umgesetzt werden.

 

Dieses interview erschien zuerst unter https://www.nationale-demenzstrategie.de/umsetzung/massnahmen-im-fokus/massnahmen/nachgefragt-die-deutsche-alzheimer-gesellschaft