Am 16. Juli 2026 ist Ingrid Fuhrmann im Alter von 92 Jahren verstorben.
Frau Fuhrmann ist ein Urgestein der Alzheimer-Bewegung. Ihre Mutter erkrankte an der Alzheimer-Krankheit zu einer Zeit, an der noch wenig über diese Erkrankung bekannt war und es nicht viele Angebote zur Diagnostik, Behandlung und Versorgung gab. Erste Alzheimer-Gesellschaften gründeten sich Mitte der 1980er Jahre aus den Angehörigen-Selbsthilfegruppen. Frau Fuhrmann war dabei, als sich im März des Jahres 1989 die Alzheimer Gesellschaft Berlin gründete und etwas später war sie im Dezember 1989 Gründungsmitglied des Dachverbandes Deutsche Alzheimer Gesellschaft. Viele Jahre leitete sie zunächst als zweite später als erste Vorsitzende die Geschicke der Alzheimer Gesellschaft Berlin und begleitete zeitgleich ihre Mutter intensiv im Verlauf ihrer Erkrankung. Ihr war immer wichtig, dass Angehörige die tragende Säule sind und ihre Sicht auf die Krankheit die Arbeit der Alzheimer-Gesellschaft prägt. Sie war aber auch sehr dankbar für die Unterstützung verschiedener engagierter beruflich in dem Bereich tätige Menschen. Sie war Mitautorin des Buches „Abschied vom Ich“ - eines der ersten Standardwerke zur Alzheimer-Erkrankung, in der die Erkrankung aus medizinischer, psychologischer, sozialpädagogischer aber auch Angehörigensicht betrachtet wurde.
Frau Fuhrmann war wichtig, dass die Belange der Menschen mit Demenz und ihrer Angehörigen auch politisch Gehör finden und zwar aus Sicht der Selbsthilfe sowohl auf Landes- als auch auf Bundesebene. Sie gehörte deshalb in den Jahren 1989 bis 1992 und 2002 bis 2009 dem Vorstand der Deutschen Alzheimer Gesellschaft als Beisitzerin an. Auch nach dem Ausscheiden aus den Ehrenämtern bei den Alzheimer-Gesellschaften blieb sie den Organisationen eng verbunden. Für ihr Engagement erhielt sie eine Reihe von Ehrungen: den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland, der ihr am 16. Oktober 2002 vom damaligen Regierenden Bürgermeister von Berlin Klaus Wowereit überreicht wurde, eine Einladung zum Ehrenamtsfest des Bundespräsidenten und die Ehrung der Deutschen Alzheimer Gesellschaft im Jahr 2014.
Es blieben Freundschaften, die aus dieser Arbeit resultierten, und einige Mitstreiterinnen konnten mit ihr noch ihren 91. Geburtstag im Garten ihres Sohnes feiern. Dieser unterstützte sie, wie sie ihre Mutter und später ihren Mann unterstützt hatte. Besonders stolz war sie auf ihren Enkel Linus, der vielen bekannt ist aus dem Gottesdienst zum Welt-Alzheimertag in der Gedächtniskirche, wo er seit vielen Jahren das musikalische Programm bereichert.
Wir in den Alzheimer-Gesellschaften werden sie nicht vergessen und ihr ein ehrendes Andenken bewahren.
Sabine Jansen, Berlin
