Demenz und queer
Menschen sind vielfältig. Sie unterscheiden sich durch ihr Alter, ihre Lebensgeschichte, ihre Religiosität, ihre Kleidungs- und Essengewohnheiten und durch vieles mehr. Ein Aspekt ist die sexuelle Identität und die Art und Weise, wie Romantik und Sexualität gelebt werden. „Queer" ist dabei ein Sammelbegriff für Menschen, die im Bereich Sexualität und Geschlechtsidentität in vielfältiger Weise von der klassischen Vorstellung von Frau und Mann beziehungsweise der heterosexuellen Norm abweichen. Auch Menschen mit Demenz sind ganz unterschiedlich und individuell, sowohl aufgrund ihrer Lebensgeschichte als auch aufgrund des Stadiums und der Form der Demenz sowie der Ausprägung der Symptome. Was aber, wenn beides irgendwann im Leben zusammenkommt? Wenn queere Menschen an einer Demenz erkranken, bedeutet das für sie und die Menschen in ihrer Umgebung eine noch größere Bandbreite an Herausforderungen als schon bei nicht-queeren Menschen.
Queere Vielfalt

Die queeren oder auch LSBTIQA*-Communities weisen darauf hin, dass die Vielfalt bei der geschlechtlichen Identität, der sexuellen und der romantischen Orientierung in allen Bereichen des menschlichen Zusammenlebens ein Thema ist und zum Thema werden sollte. Die Abkürzung LSBTIQA* bezeichnet lesbische, schwule, bisexuelle, trans*, intergeschlechtliche und queere Menschen. Das „A“ steht für Menschen, die aromantisch sind – also kein oder wenig Bedürfnis nach romantischer Beziehung haben. Auch meint es asexuelle Menschen, also die, die kein oder wenig Bedürfnis nach gelebter Sexualität haben. Und das „A“ kann auch für Menschen stehen, die sich ageschlechtlich verorten, also sagen, dass sie Menschen ohne eine geschlechtliche Identität sind. Das Sternchen verweist darauf, dass es noch viele weitere Varianten von sexueller Identität gibt, die hier mit eingeschlossen sein sollen.
Neben der individuellen sexuellen Orientierung und geschlechtlichen Identität spielt gerade für ältere queere Menschen auch die Geschichte, die Diskriminierung und die strafrechtliche Verfolgung, der sie in ihrem Leben ausgesetzt waren, eine wichtige Rolle. Viele von ihnen haben sich einen großen Teil ihres Lebens verstecken, bzw. nach außen hin eine andere Rolle spielen müssen.
Auswirkungen von Demenz
Eine Demenz kann dazu führen, dass eine frühere Phase des Lebens präsenter wird oder auch dazu, dass bestimmte Hemmschwellen herabgesetzt werden. So erinnert sich jemand beispielsweise nicht mehr an seinen schwulen Lebenspartner sondern nur noch an die frühere Ehefrau. Es kommt auch vor, dass Menschen, die immer nach der Heteronorm gelebt haben, sich erst in der Demenz outen und ihre Homosexualität zeigen oder sich entsprechend ihrer eigentlichen Geschlechtsidentität kleiden. Dies kann insbesondere für An- und Zugehörige, die nicht davon wussten, sehr irritierend sein.
Mit einer Demenz sind Menschen weniger dazu in der Lage, sich selbst zu schützen. Umso wichtiger ist es, dass die Menschen in ihrem Umfeld ebenso wie Pflegekräfte, die sie versorgen, respektvoll mit ihnen umgehen und sensibilisiert sind.
Broschüre "Demenz und queer"

Die Broschüre "Demenz und queer. Vielfalt denken, sehen, ermöglichen!" will dazu beitragen, dass queere Menschen mit Demenz keine „Besonderheit“ mehr sind und in ihren Bedürfnissen nicht übersehen werden oder sich zurückziehen (müssen). Sie wurde in ihrer ersten Version 2024 von der Alzheimer Gesellschaft Schleswig-Holstein e.V. in Kooperation mit dem Kompetenzzentrum Demenz in Schleswig-Holstein entwickelt und liegt nun in einer erweiterten bundesweiten Auflage vor. Sie richtet sich an An- und Zugehörige ebenso wie an professionell Pflegende und alle Interessierten, die sich mit dem Thema befassen oder ihr Wissen dazu vertiefen möchten.

Die Broschüre als Hörversion
Wer die Broschüre lieber anhören möchte oder sie nicht selbst lesen kann, kann sie sich hier von der Radiojournalistin und Podcasterin (Demenz-Podcast) Christine Schön vorlesen lassen. Dabei können Sie alle Kapitel nacheinander oder je nach Interesse auch einzeln anhören.
Wir wünschen Ihnen viel Freude beim Zuhören!
1. Grußworte
2. Vorwort & Hinweise
3. Queere Vielfalt
4. Einblicke und Empfehlungen zum Thema Demenz
5. Die Geschichte von heute alten LSBTIQA und ihre möglichen Auswirkungen auf die Pflege
6. Miteinander sprechen. Der richtige Umgang mit Begrifflichkeiten. Wie darf ich Sie ansprechen?
7. Informationen für An- und Zugehörige
8. Gibt es überhaupt ein Problem?
9. Und was ist mit HIV?
10. Unterstützungsmöglichkeiten
11. Was kann ich noch tun?
12. Der Weg in ein Unterstützungssystem
13. Eine passende Pflegeeinrichtung finden
14. Informationen für Einrichtungen
15. Welche Chancen und Hürden kann es geben?
16. Was kann ich tun, um Vielfalt in meiner Einrichtung mehr Raum zu geben?
17. Ideen für Mitarbeitende
18. Ideen für die Leitung
19. Ermutigung und Schlusswort
20. Glossar
Die Hörversion wurde produziert von Tom Heithoff.
Hinweis: Akustischer Trenner in Kapitel 3: "Limit 70" Kevin MacLeod (incompetech.com) Licensed under Creative Commons: By Attribution 4.0 License
http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/
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